Erfahre warum Kapstadt Lehrerin & Spielpatz zugleich ist

Kannst Du Dich bitte vorstellen. Was hat Dich nach Kapstadt verschlagen?

Hallo zusammen, ich heiße Hanni und habe in jeder Handtasche eine Tube Sonnencreme. Ich bin in Merseburg geboren und seit meinem 10. Lebensjahr in Hannover aufgewachsen. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich in Norddeutschland verbracht. Da ich Tageslicht liebe –  und das eben nicht nur bis 16h – habe ich während meines Studiums beschlossen, mein Englisch zu verbessern und zwar in einem warmen Land, was auch halbwegs günstig sein sollte. Ich bin in Kapstadt gelandet.

Mittlerweile habe ich alle meine kurzärmligen T-Shirts gegen langärmlige Blusen ausgetauscht, nutze jeden Tag Sonnencreme, wandere regelmäßig auf den Tafelberg und arbeite als Journalistin und Schauspielerin auf beiden Seiten. – also in Hannover und in Kapstadt. 

Hanni Heinrich

Du hast auch einen eigenen Blog. Welches Ziel verfolgst Du damit?

Als wir alle im Lockdown waren hatte ich viel Zeit. Viele meiner Projekte sind mir durch Corona weggebrochen. Da habe ich beschlossen einen eigenen Kapstadt Blog mit Fokus auf nachhaltige Themen und Geschichten von Frauen für Frauen zu gründen. Es gibt ja schon viele Blogs und Webseiten über Kapstadt, aber was mir immer ein bisschen gefehlt hat, waren Geschichten über coole Frauen aus Kapstadt. Gesagt. Getan. So ist DeinKapstadt entstanden.

DeinKapstadt ist ehrlich, direkt und locker, die beste Freundin und Anlaufstelle für alle, die Lust auf Kapstadt und Südafrika haben. Du findest hier Insider-Tipps, ich verrate wo es viel Schatten und kulinarische Köstlichkeiten gibt, erzähle über nachhaltiges Reisen und stelle auch vorwiegend Frauen vor, die in Kapstadt ihr Ding machen und authentisch sind. So will ich mit DeinKapstadt inspirieren. 

Was bedeutet es für dich, eine Frau zu sein?
Eine Frau zu sein, war schon immer eine mächtige Sache, obwohl die Geschichte manchmal etwas anderes diktiert hat.
Für mich bedeutet es, eine Erschafferin zu sein. Und damit meine auch Kreativität. Das kann roh, wild und laut, aber gleichzeitig auch weich, sensibel und ausgleichend sein.

Wie hat dich Kapstadt beeinflusst?

Kapstadt ist für mich eine Lehrerin und ein Spielplatz. Hier gibts viel Ungleichheit, und gleichzeitig ist irgendwie alles möglich. Hannover (also in Deutschland) z.B. ist ziemlich kontrolliert. Manchmal können viele Regeln in gewisser Weise einschränkend sein. Das hat Kapstadt nicht. Hier gibt es viel weniger Regeln, und die laden bzw. zwingen zu mutigem Denken. Das kann auch nervenaufreibend sein, weil es eben nicht so klar strukturiert ist hier.

Was sind die häufigsten Irrtümer über Kapstadt?

Ich glaube, viele denken, dass Kapstadt hinterm dem Mond geblieben, also unterentwickelt ist. Und wer dann seine ersten Erfahrungen macht, ist meist positiv überrascht :)

Kannst du eine lustige Anekdote aus Kapstadt erzählen?

Da gibts viele. Ich habe einmal Burger Patties zu einem Braai mitgebracht. Ich dachte, ok, der Gastgeber wollte, dass jeder Fleisch und Wein mitbringt. … Der Braaimaster die Patties gesehen hat, hat er sich total aufgeregt und gesagt: Das muss jemand mitgebracht haben, der keine Ahnung vom Braai hat.” Tja, das war auch so. Ich hatte keine Ahnung. Der Grillabend war trotzdem schön. Seitdem mache ich immer einen Salat und bringe den mit. Ich finde es lustig zu sehen, wie vor allem Männer völlig ausflippen, wenn es irgendwo einen Braai gibt. Im Sommer ja meistens 1x die Woche. Das ist schon leidenschaftlich. 

Wie hat Corona das Alltagsleben beeinflußt?

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich das Leben für uns alle massiv verändert. Ich musste auf vieles, was mir lieb ist, verzichten, z.B. meine Erkundungstouren. Kurz vor dem Lockdown sollte ich für einen Dreh nach Deutschland. Das wurde aber abgesagt. Da auch andere Projekte für mich abgesagt wurden, dachte ich: Statt den Kopf in den Sand zu stecken ist es doch jetzt eine gute Zeit, über neue Ideen und Konzepte nachzudenken.

Dann ist DeinKapstadt entstanden. Wie gesagt, die Idee hatte ich schon länger, aber der Lockdown hat mich quasi gezwungen, die Idee auch umzusetzen und ich bereue es nicht. In der Zeit des Lockdowns habe ich auch viel Verbundenheit erfahren, etwa durch gemeinsame Erfahrungen – sei es das gemeinsame abendliche Applaudieren für Pflegekräfte oder auch das gemeinsame Sammeln von Spenden.  Ich habe vor allem Frauen kennen gelernt bzw. im Freundes und Bekannten gemerkt, wie die stark, großzügig, warmherzig und cool viele Frauen sind. Die haben im Home Office ihre Arbeit und auch noch Homeschooling gewuppt, dazu Haushalt und oft auch noch einen ehrenamtlichen Einsatz. Das ist doch der Wahnsinn. Das hat mich stark inspiriert.  

Du schreibst, daß Du auf Deinem Blog viele Frauen vorstellst, die Ihr Ding machen. Dann stelle uns mal zwei Frauen vor.

Südafrika Reiseangebot

Shirley Zinn aus Fish Hoek zum Beispiel. Sie ist in den Cape Flats aufgewachsen und hat sich nicht beeinflussen lassen, was andere über sie sagen oder denken. Sie wollte eine Karriere und die hat sie auch gemacht. Ihre Vergangenheit hat nicht ihre Zukunft bestimmt. Nach zahlreichen Karriere-Stationen im In- und Ausland (sie war eine der einflussreichsten Frauen Afrikas 2016) und einem schrecklichen Familienereignis, hat sie beschlossen, sich selbstständig zu machen. Immer wieder fand sie die Kraft, weiter zu machen. Heute ist sie Professorin, Coach und Autorin, und immer noch total bodenständig. Ihr Buch “Swimming Upstream” ist ihre Autobiografie und schon 2016 erschienen. Heute managt sie ein Gästehaus in Fish Hoek.  

Oder Faldela Tolker. Sie lebt im Bo Kaap und bietet eine kulinarische Tour an. Sie kocht  einfach leidenschaftlich gern und hat eines Tages beschlossen, die kapmalaische Küche an Interessiert weiter zu geben. So entstand ihr Business “Cooking with Love”. Ich könnte sooo viele aufzählen…

Was glaubst du, ist das Geheimnis dieser Frauen? Einige sagen: Es ist die Energie der Mother City, die dich zu deinem Herzen führt, andere sagen, sie fühlen sich so frei hier, dass sie hier den Mut gefunden haben, ihr Ding zu machen.

Wie siehst du die Rolle der südafrikanischen Frau?

Frauen haben in der Geschichte Südafrikas immer schon eine große Rolle gespielt und für ihre Rechte und für Veränderungen gekämpft. Das wird ja seit 1995 jedes Jahr am 9. August, dem South African National Women’s Day gefeiert. Und trotz aller Probleme, die Südafrika hat, hat das Land im Hinblick auf die Gleichberechtigung eine der fortschrittlichsten Verfassungen der Welt, 42 Prozent der Parlamentarier sind Frauen. Und es gibt viele weibliche Aufsichtsräte als in vielen anderen Ländern.

Ich glaube, dass viele Frauen hier extrem stark sind, weil sie lange und brutal unterdrückt wurden. Im Lockdown war es ja so, dass häusliche Gewalt leider zugenommen hat. Wer hat drunter gelitten? Genau. Das ist ja nicht nur in Südafrika so. Weltweit erleiden Frauen und Mädchen Menschenrechtsverletzungen, weil sie Frauen und Mädchen sind. 

Deshalb möchte ich Frauen vorstellen, die ihr Ding machen, ihrem Herzen folgen und damit andere inspirieren. Es geht bei den Gesprächen nicht um ein Programm in 3 Schritten zur Bikini Figur, sondern, um Selbstvertrauen, persönliches Wachstum, Ideen und Inspiration, die sich die LeserInnen holen können. 

Was würdest du anderen Frauen ans Herz legen, die an innerer Stärke gewinnen und auch “ihr Ding“ machen möchten?

Ich finde es wichtig, sich selbst kennen zu lernen. Also heraus zu finden, wofür du brennst. Das kann auch sowas sein wie Singen, Tanzen, malen, Musik, etc… Es ist erstmal egal, ob sich jemand selbstständig machen will oder nicht. Es geht darum, für eine Sache zu brennen. Das kann jeder herausfinden, wer wirklich auf sein Herz hört und hineinfühlt. Und dann kann sich jeder fragen: Warum brenne ich eigentlich für diese eine Sache?

Was macht das mit mir/ Wie fühle ich mich, wenn ich genau das mache, wofür ich brenne? Die Antwort führt einen Schritt weiter. Wer sich dann mit der Tätigkeit, wofür du brennst selbstständig machen will, kann (und sollte) das um den aktuellen Job drumherum bauen. Das ist nicht immer leicht. Eigentlich ist es verdammt schwer, darum machen es ja so wenige. Durchhalten, stark und vor allem flexibel bleiben finde ich wichtig. Es gibt nie immer nur einen Weg. Und die Wege sind nicht immer glatt und einfach. Manchmal muss man auch klettern oder über Steine gehen.

Hauptsache weiter gehen. Ich sag immer: Machen! Wer weiss was morgen passiert. Wir haben es ja jetzt durch die Corona-Pandemie gesehen. Über Nacht kann sich auf einmal so viel ändern. Und wenn wir ehrlich sind: ich habe noch nie jemanden sagen hören: Ach hätte ich doch mal mehr Überstunden in meinem gehassten Job gemacht und noch mehr Nervenzusammenbrüche erlitten. Oder? Ist ja eher: Ach hätte ich mich doch mal getraut diesen Kurs zu machen oder das auszuprobieren …. 

Danke Dir Hanni.

Similar Posts:

Diesen Beitrag weitersagen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.