Wie Südafrika zum Vorreiter bei den Erneuerbaren Energien wird

Sonne ohne Ende

Sonne ohne Ende

Nachdem der Boom der Erneuerbaren Energien in Europa und den USA etwas zurückgegangen ist, diverse Firmen insolvent gingen, vermelden jetzt immer mehr Unternehmen Auftragseingänge aus Südafrika. Was genau passiert hier?

Ein kurzer Rückblick zum südafrikanischen Strommarkt

Im Jahre 2007/08 befand sich Südafrika in einer dramatischen Situation. Die Wirtschaft boomte, aber das Land konnte nicht mehr genügend Strom produzieren, um Unternehmen und Haushalte mit Energie zu versorgen. Zum Höhepunkt der katastrophalen Versorgungslage wurde überall im Lande und auch in Kapstadt der Strom in einzelnen Wohnvierteln für mehrere Stunden abgeschalten. Einbrecher hatten nun die Möglichkeit, in von Elektrozäunen gesicherte Wohnanlage problemlos einzubrechen, wenn die Anlagen ungeschützt waren. Nach dem Beginn der Finanzkrise ging die Nachfrage zurück und die Energieversorgung war wieder gesichert. In Ausnahmesituationen mussten einige Bergwerke ihre Produktion drosseln, was der wirtschaftlichen Lage Südafrikas auch nicht gut tat. Alleiniger Energieproduzent in Südafrika war ESKOM, der aber chronisch unterfinanziert war. Die südafrikanischen Stromtarife waren im Weltvergleich extrem niedrig. Diese für den Konsumenten günstigen Strompreise bedeuteten jedoch gleichzeitig, dass sich Investitionen in den Kraftwerkspark nicht rechneten. Der größte Teil der südafrikanischen Kraftwerke wurde vor 1994 errichtet und bestand aus Kohlekraftwerken. In Kapstadt gibt es ein Nuklearkraftwerk und ein modernes Gaskraftwerk.

Aktuelle Situation der Stromerzeugung

Im Moment gibt es keine Stromengpässe, was aber auch der wirtschaftlichen Lage Südafrikas geschuldet ist. Sobald aber die Weltwirtschaft wieder anziehen wird und damit auch die Nachfrage nach Rohstoffen steigt, ist das Land wieder vor dem gleichen Grundproblem: Überaltete und umweltschädliche Kraftwerke bilden das Rückgrat der Energieversorgung. Südafrika als Industrieland wäre mit ausländischer Unterstützung in der Lage, in einem überschaubaren Zeitraum die notwendigen Kapazitäten zu errichten. Wäre nur ein kleines Problem: Geld. In einer Marktwirtschaft müssen sich Investitionen rechnen, ansonsten geben Unternehmen kein Geld aus. Die Regierung hat zum Leid der südafrikanischen Konsumenten schon die entsprechenden Schritte veranlasst. Die Stromtarife sind in den letzten Jahren schon massiv erhöht wurden, in den vergangenen 6 Jahren im Schnitt um jährlich 25 Prozent.

Der Regierungsplan zur Förderung der Erneuerbaren Energien

Seit einigen Jahren gibt es auch den politischen Willen, die erneuerbaren Energien massiv zu fördern. Im „Integrated Resource Plan“ von 2010 wurden ehrgeizige Ausbaupläne definiert und der Energiemarkt für private Investoren geöffnet. Bis zum Jahr 2030 sollen insgesamt 17.800 Megawatt geschaffen werden. Bis 2016 sollen im Rahmen des “Renewable Energy Independent Power Producers (IPPs) Procurement Programme” in 5 Ausschreibungsrunden insgesamt 3.725 Megawatt geschaffen werden. Zum Vergleich: Ein normales Gas – und Dampfkraftwerk hat eine Leistung von etwa 400 MW.
Folgende Kontingente an erneuerbare Energieprojekte sollen finanziert werden:

Südafrika Reiseangebot

Windkraft auf dem Land:                         1.850 MW
Photovoltaik:                                             1.450 MW
Concentrated Soar Power (CSP):              200 MW
Sonstige erneuerbare Energiequellen:     200 MW

Quelle: www.ipprenewables.co.za

Bis 2014 sollen knapp 50 einzelne Solar – und Windkraftprojekte im Bau bzw. bereits im Betrieb sein. Weiterhin wurden profitable Einspeisetarife für die einzelnen erneuerbaren Energiequellen festgelegt. Für Investoren rechnet sich hierdadurch wirtschaftliches Engagement auch.

Das natürliche Potential für Solar – und Windkraft in Südafrika

Südafrika bietet sich als Standort der erneuerbaren Energien perfekt an. In den nördlichen Provinzen des Landes scheint die Sonne fast das ganze Jahr ununterbrochen. Die Region um Upington ist hierbei besonders im Blickpunkt der Investoren. Diverse Solarprojekte sind in der Planung. Schwankende Energiemengen wie in Deutschland sind kein Problem. Außerdem gibt es wegen der geringen Besiedlung kaum Einwände von Seiten der Anwohner und Umweltschützer. Viele Südafrikaner sehen Solarenergie als die wirtschaftliche Chance für ihre Region. Das gleiche gilt für Windenenergie. Die Regionen an der West Coast nördlich von Kapstadt und von Teilen der Garden Route bieten sich als Windstandorte an. Erste Projekte wurden bereits an in- und ausländische Firmen vergeben. Dies betrifft sowohl Solar – als auch Windkraftprojekte. Südafrika ist hierbei stark interessiert, den lokalen Anteil stufenweise zu erhöhen. Der Mangel an Fachleuten ist derzeit jedoch ein Bremsfaktor. Außerdem müssen gemäß BEE lokale Partner in den Projekten involviert sein.

Fazit

Südafrika ist vielleicht neben Australien und den USA eines der wenigen Länder, welches die natürlichen Voraussetzungen, den politischen Willen und die finanziellen Ressourcen hat, um aus dem subventionierten Erneuerbare Energienmarkt eine für die Volkswirtschaft profitable Unternehmung zu machen. In Deutschland fehlt uns dazu leider die ganzjährige Sonneineinstrahlung. Gibt es keine politische Richtungsänderung, könnte dies der Start zum Aufbau eines neuen Industriezweiges im Lande sein.

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