Wie entstanden die suedafrikanischen Townships ?

Township

Township

Township ist ein Begriff aus der englischsprachigen Welt mit verschiedenen Bedeutungen. In den USA versteht man darunter Gebietseinheiten, die in der Verwaltung der Kommunen eine gewisse Rolle spielen. In Indien beispielsweise werden darunter normale Siedlungen verstanden. Nur in Südafrika ist der Begriff Township negativ besetzt, eine direkte Folge der Apartheidzeit. Unter Township werden Siedlungen verstanden, in denen entweder die schwarze oder farbige Bevölkerung separat zu den anderen Bevölkerungsgruppen lebte.

Ursprünge der südafrikanischen Townships

Ein Grundprinzip der südafrikanischen Apartheidpolitik war das System der räumlichen Trennung der verschiedenen Rassen. Bereits 1923 wurde für diese Politik mit dem „Native Urban Areas Act“ der gesetzliche Rahmen erstellt. Jede Bevölkerungsgruppe sollte getrennt voneinander leben. Hierzu wurden die städtischen Gebiete in Wohngebiete für Weiße und Nichtweiße eingeteilt, außerdem wurde das gesamte Land in Gebiete für Weiße und Schwarze (Homelands) unterteilt. Eigentum durfte nur noch in den vorgesehenen Townships und Homelands erworben werden. Die in dieser Zeit errichteten Townships haben mit dem Bild der Wellblechsiedlungen, was man von Südafrika kennt, kaum etwas gemein. Die Bewohner errichteten in diesen Townships einfache Wohnhäuser, von den Kommunen wurde die entsprechende Infrastruktur erbaut. Landbewohnern wurde der Zuzug in die städtischen Regionen nur für die Arbeitsaufnahme erlaubt. Da viele Arbeiter nur ohne Familie in die Städte reisen durften und der Aufenthalt nur für eine bestimmmte Zeit vorgesehen war, richtete man in den Townships Sammelunterkünfte für die Leute ein. In diesen Hostels lebten die alleinstehenden Männer dann mehrere Jahre, ohne ihre Familien zu sehen, welche daheim in den ländlichen Gebieten verbleiben mußten. Mit diesem System der Sammelunterkünfte bildete man aber den Boden für eine Vielzahl von Problemen, unter denen Südafrika noch heute leidet. Eine der Folgen war, daß man die traditionellen afrikanischen Familienverbünde mit dem getrennten Leben von Ehemann und Familie schwächte und teilweise zerstörte. Die Männer verfielen in der Ferne dem Alkohol und nahmen Drogen. Viele lebten in der Ferne auch mit anderen Frauen zusammen bzw. gingen zu Prostituierten. Mit dem Auftauchen des HIV-Virus wurden diese Orte eine Keimzelle der Verbreitung von Aids im ganzen Land.

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Kriminalität in den Townships

Kriminalität in den Townships

Verschärfung der Situation in den 1950er Jahren

1948 siegten die Buren im Wahlkampf und die Apartheidpolitik wurde offizielle Staatspolitik. Der Group Area Act legte für Weiße, Farbige und Schwarze gesonderte Wohngebiete fest. Bewohner, die in den „falschen“ Gebieten lebten, mußten umziehen. In dieser Zeit entstanden viele neue Townships am Rande aller südafrikanischen Städte. Auch hier erfolgte noch ein systematischer Aufbau der Wohngebiete, die meisten Bewohner wurden aber zwangsumgesiedelt. Innerhalb dieser Stadtteile gab es Gebiete mit hohen, aber auch Gebiete mit extrem niedrigen Wohnstandard. Eine pauschale Aussage, daß alle Townships Slums ähnneln, ist daher nicht korrekt. In den 1960er und 1970er Jahren wurde aber der Tiefpunkt dieser menschenverachtenden Apartheidpolitik erreicht, als Stadtteile mit vorrangig farbiger oder schwarzer Bevölkerung zu weißen Gebieten erklärt wurden und die komplette Bevölkerung zwangsumgesiedelt wurde. In Kapstadt bertraf dies den District Six mit etwa 60.000 Bewohnern. Alle Einwohner mußten in die Cape Flats ziehen, nachdem ihr Stadtteil niedergewalzt wurde.

Entwicklung der Townships in den letzten 30 Jahren

In den 1980er Jahren entglitt der Apartheidregierung immer mehr die Kontrolle über die Bewegung der Bevölkerung. Hunderttausende von Landbewohnern flüchteten von den Homelands in die Städte und dort in die entsprechenden Townships. Diese waren auf die Vielzahl der Neuankömmlinge nicht eingerichtet und der Wildwuchs begann. Alle leeren Flächen innerhalb der Townships und den daran angrenzenden Flächen wurden besetzt und mit „shacks“, den Wellblechhütten bebaut. Strom, Wasser und Abwasser gab es dort nicht mehr. Mit dem Ende der Apartheid und der Auflösung der Homelands setzte eine weitere Bewegung aus dem Umland ein. Weitere Millionen Menschen aus den östlichen Provinzen Südafrikas siedelten sich in den ehemals Schwarzen und Farbigen vorbehaltenen Stadtteilen an. Überall entstanden „informal settlements“, geduldete illegale Wohnsiedlungen am Rande der Stände. Die dort vorherrschenden Wellblechsiedlungen prägen heute das Bild der Townships. Die Arbeitslosigkeit in diesen Wohngebieten ist extrem hoch, hiermit verbunden sind grassierende Kriminalität, Alkohol- und Drogenmißbrauch. Die Regierung hat in den vergangenen Jahren viel getan, um die Lebensbedingungen der Bewohner zu verbessern. Aufgrund Geldmangel, Korruption, Unfähigkeit und stetigen weiteren Zuzug aus ländlichen Regionen ist bisher jedoch keine allumfassende Verbesserung eingetreten.

Heutzutage gibt es jedoch auch Townships, in denen sich in den letzten Jahren der südafrikanische Mittelstand niederließ.

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