Townshiptour – ja oder nein ?

TownshipViele Besucher von Südafrika stellen sich die Frage, ob sie eine Tour in eines der vielen Townships absolvieren sollten.

Ursprünglich verstand man unter Townships die separaten Wohngebiete der Coloureds und Blacks, welche von der Apartheidregierung initiert wurden. Dort sollten die verschiedenen Rassen getrennt von der weißen Bevölkerung leben. Die ersten planmässig errichteten Townships in den 1960er Jahren waren einfach gebaute Wohnsiedlungen, welche ein Mindestmaß an Infrastruktur hatten. Hier konnten die Menschen noch ein menschenwürdiges Leben führen, natürlich unberücksichtigt der Tatsache, daß sie gezwungen waren, an einem bestimmten Ort zu wohnen.

Entstehung der Townships

Die Situation verschärfte sich maßgeblich in den 1980er Jahren, als immer mehr Bewohner aus den ländlichen Gebieten Südafrikas auf der Suche nach Arbeit in die Großstädte zogen. Den meisten Zuzüglern blieb als Unterkunft nur die Bleibe in den vorhandenen Townships als illegale Bewohner. Gemäß damaligen Gesetz durften Südafrikaner nur für einige Jahre in die Städte ziehen, wenn sie eine Arbeitsgenehmigung und einen Arbeitsplatz vorweisen konnten.

Die Townships wurden immer größer, die Infrastruktur wurde jedoch nicht entsprechend angepaßt. Mit den Ende der Apartheid eskalierte dieses Problem nochmals. Die Zuzugshürden für die Landbevölkerung entfielen und Millionen Südafrikaner strömten in die Städte. Der Großteil von ihnen hatte keine Ausbildung und kein Einkommen. Sie teilten sich den vorhandenen Wohnraum in den Townships mit Bekannten aus ihrer Heimat und verschärften damit massiv die prekäre Wohnsituation.

Lebensbedingungen im Township – Slum

In Wohnungen, die für 3 Personen vorgesehen waren, leben nun 10 Menschen. Hunderttausende hatten aber nichtmal diese Option, sie bauen sich auf den Feldern und Wiesen Wellblechhütten als Unterkünfte. Hier leben sie nun ohne Bad und WC, teilweise ohne fließend Wasser, nur mit Elektrizität. Im Sommer ist es brütendheiss und stickig in den Wellblechhhütten, im Winter empfindlich kalt. Öfters kommt es zu Überschwemmungen, auch auch zu Großfeuern, wobei Dutzende oder Hunderte der Hütten zerstört werden. All diese Wellblechsiedlungen sind illegale Siedlungen, die nur von den Städten geduldet werden. Hier herrschen unfaßbare Lebensbedingungen.

Der Großteil der Bewohner ist alkoholsüchtig bzw. nimmt die Droge Tik. Reguläres Einkommen haben die wenigsten, Einbruch oder Diebstahl sind eine Haupteinnahmequelle. Frauen können sich durch das Kindergeld ein Minimaleinkommen sichern, was aber auch sehr gering ist. Die Mordrate hier ist extrem hoch und prägt das Bild Südafrikas in der Welt. Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. In regelmäßigen Abständen kommt es zu Krawallen, bei denen Nichtsüdafrikaner gelyncht werden.

Soll man an einer Tour durch das Township teilnehmen ? 

Die Frage ist nun, ob man unter diesen Gegebenheiten eine Townshiptour buchen sollte? Vom Sicherheitsaspekt spricht erstmal nichts dagegen, da die Touristen mit einheimischen Führern nur solche Wohngebiete besuchen, die problemlos tagsüber betretbar sind. Nach Einbruch der Nacht sollten sich in den Townships sowieso nur Einheimische auf den Straßen blicken lassen. Viele Touristen sagen, daß sie sich wie im Menschenzoo vorkommen würden und deshalb nie solch eine Townshiptour buchen.

Andere argumentieren, daß wenigstens einige Bewohner von diesen Townshiptouren profitieren, da sie einen Anteil des Preises erhalten. Die meisten Touren beinhalten eine kurze Rundfahrt mit Fotostops, den Besuch einer Familie, um die Lebensverhältnisse hautnah zu erleben, einer Pause in einer lokalen Kneipe (Sheebeen) und als Abschluß dem Besuch einer Werkstatt mit angeschlossenen Souvenirverkauf. Die Halbtagestownshiptour kostet etwa 40 Euro.

Eine schwierige Antwort

Ein glattes Ja oder Nein für die Frage ist schwierig zu finden. Viele Bewohner sehen diese Touren als Bereicherung ihres öden Alltages an, von dem sie für einige Minuten abgelenkt werden. Sie freuen sich, wenn sie den Touristen etwas von ihrem Leben berichten können, vielleicht auch mit dem Hintergedanken, daß diese Zustände durch die Townshiptouren einen größeren Teil der Weltöffentlichkeit bekannt werden und irgendwann mal aufgrund des Drucks der internationalen Medien etc. die Regierung mehr für sie tun wird.

Wenn dann der Touranbieter mit den Einnahmen auch noch kleinere Projekte im Umfeld unterstützt, damit nicht nur eine Familie etwas davon hat. können und sollten Touristen diese Townshiptour ohne Gewissensbisse buchen.

Südafrika Reiseangebot

Wir haben dieses Thema in unserer Facebookgruppe diskutiert:

https://www.facebook.com/KapstadtEntdecken/posts/1870316439877211

Hier einige Antworten:

Pamela R: Ich bin mir da auch unsicher, komme mir vor als ob ich Menschen im Zoo besuchen gehe. Aber weiß, das es eigentlich wichtig ist, eine Tour zu machen, ist für die Menschen wichtig. Ins Mzoli’s hatten wir auch schon überlegt mal hinzugehen, hatten aber Respekt, waren zu zweit.

Julia L: Wir waren letztes Jahr in Süd Afrika und sind 3 Wochen mit dem Auto die Garden Route gefahren, es war traumhaft. Wir haben von dieser Tour gehört und waren entsetzt. Meiner Meinung nach ein absolutes NO GO !!!!

Michael S: nimm eine prof. Tourguide und alles ist gut, auch die brauchen das Geld! oder buche eine Fahrradtour mit Awol Tours, mal eine andere Art ein Township zu sehen

Ruth F: Ja, ich halte es für wichtig, jede Gelegenheit zu suchen, um miteinander in Kontakt zu kommen. Eine Townshiptour kommt nur Zustande, wenn die Bewohner des Townships dies unterstützen. Oft haben sie die Gelegenheit, von ihrem normalen Leben zu berichten und geben so Einblick in die Probleme Südafrikas. Ich finde es falsch, eine Townshiptour mit einem Besuch im Zoo gleichzusetzen. Es ist ein Besuch im Wohnzimmer um die Familie kennenzulernen und selbstverständlich gehört ein Gastgeschenk dazu.

Hartmut B: Nein 👎. Ich würde es nicht mögen wenn jemand meine Umgebung besucht und dauernd Photographiert.

Franz-Josef Link: Aber am Tafelberg und am Bo-Kap darf man das? Was für eine falsche Einstellung.
Die Menschen, die man dort besucht, möchten das ja gerade. Wer diese Menschen nicht besucht, zeigt ihnen, was man von ihnen hält. Ich kenne einige Menschen aus dem Township und sie alle erzählen mir, dass sie sich wie Aussätzige fühlen, wenn man deren Gegend meidet. Damit setzt man genau das falsche Zeichen.

Wieso dürfen die Einwohner in den Townships kein Geld verdienen mit den Touristen? Warum soll der ganze Reibach nur an Weiße gehen?

Helmut H. : Mit einem guten Führer ist es empfehlenswert einen Besuch zu machen ….wir waren sehr angetan

Jürgn Z: Gehört unbedingt dazu.

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5 thoughts on “Townshiptour – ja oder nein ?

  1. Hi Andre,

    der Artikel ist zwar schon älter, aber ich bin gerade erst darauf gestoßen.
    Ich bin ein ganz klarer Befürworter von Townshiptouren – gewissen Dinge vorausgesetzt:
    – die Tour sollte von jemandem aus dem Township organisiert und durchgeführt werden, größere Veranstalter sollte man meiden, so es sie denn überhaupt gibt.
    – die Tour sollte nicht mit dem Auto gemacht werden. Wir haben in Alexandra in Joburg eine Fahrradtour gemacht. So konnten wir uns freier bewegen. Wenn die Tour mit einem Auto gemacht wird, kann ich den „Zoo-Gedanken“ schon nachvollziehen – schließlich ist man dann hinter Glasscheiben sicher eingesperrt, so dass die Bewohner einem nicht zu nahe kommen. Mit dem Fahrrad war die Tour total super. Vor allem die Kinder auf der Straße haben sich gefreut, haben ständig High Five gemacht und wollten auch mal fahren.

    Ich habe es so erlebt, dass die Bewohner im Township sich sehr über Besuch freuen. Und jeder, der in Südafrika Urlaub macht, sollte mal sehen, wie die Menschen dort leben. Vielleicht merken sie dann, dass es ihnen zu Hause gar nicht so schlecht geht und sie sich nicht dauernd über irgendwas beschweren müssen. Die Leute in den Townships sind einfach immer freundlich, gut gelaunt und glücklich. Ich habe einen Artikel auf meinem Blog über unsere Tour durch Alex geschrieben: http://www.travelmakesyouricher.com/ego/alexandra-ein-ort-dem-die-menschen-noch-gluecklich-sind/
    (Falls die Verlinkung dir nicht gefällt, kannst du sie gerne entfernen ;))

    Liebe Grüße,
    Mona

  2. Hallo ,
    Ich hab eine Zeit lang in Kapstadt – Hout Bay gelebt und gearbeitet.
    Meine Arbeitskollegen haben mich öfters Sonntags nach Guguletho ( township in der Nähe von Kapstadt ) ins mzoli s mitgenommen.
    Das ist ein Restaurant mitten im township mit super essen und toller Musik.
    Die Menschen dort sind super freundlichen und ich hatte immer den Eindruck, dass sich die Einheimischen immer über Besucher gefreut haben.
    Alles essen zusammen und verbringen einen tollen Sonntag dort.
    Liebe Grüße
    Alexanda

  3. Zu Townships Touren – das richtig knallharte Leben bei Township Touren wird man nur ganz selten zu Gesicht bekommen. Die Townships werden von verschiedenen Gangs brutal geführt und vor rivalisierenden Gangs mit äußerster Brutalität verteidigt. Die touristischen Towhnsip Touren sind in der Regel alle abgesprochen mit den Gangs über Mittelsmänner.
    Wer wirklich Action haben will der sollte sich bei einer Hilfsorganisation die es massenhaft in den Townships gibt bewerben. Oder als Sanitäter bei einem Rettungsdienst als Volunteer anheuern.
    Oder in Johannesburg/ Soweto das Chris Hanni Hospital besuchen.
    Zur Information viele Militärs auch Deutschland lässt dort seine Militärärzte ein Praktikum machen es sind Ärzte die mit zu Kampfeinsätzen ausrücken. ( Afghanistan u.s.w.)
    Dort gibt es die ganze gewalttätige Bandbreite der allerschlimmsten Verletzungen die Menschen- Menschen antun können.

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