Township Tour

Kapstadt hat viele Sehenswürdigkeiten, die Touristen besuchen können. Neben schönen Zielen wie dem Tafelberg oder dem Kap der guten Hoffnung besteht auch die Möglichkeit, die so genannten Townships der Stadt via Townshiptour zu besuchen. Unter diesem Begriff werden Stadtteile verstanden, wo während der Apartheid die nichtweiße Bevölkerung zwangsumgesiedelt wurde. In vielen Townships sind die Lebensbedingungen katastrophal. Fließend Wasser und funktionierende Sanitäreinrichtungen sind nicht überall selbstverständlich.

Die Townshiptour – eine Kurzvorstellung

Die von mir gewählte Townshiptour sollte etwa 4 Stunden dauern. Der Ausflug beinhaltete einen Stop im ehemaligen District Six, ein kurzer Rundgang durch den Township, den Besuch einer Familie, dem Besuch einer gemeinnützigen Organisation und zum Schluß die Einkehr in eine typische südafrikanische Townshipbar, einer Shebeen. Der Preis für diese Tour betrug etwa 40 Euro.

Townshiprundgang

Townshiptour

District Six – die große Tragödie in Kapstadt

Vom Kapstädter Stadtzentrum fuhren wir Richtung Osten. Erster Aufenthalt war nach etwa 10 Minuten an einer riesigen Brachfläche. Unser Reiseleiter erläuterte uns, daß hier einmal der Stadtteil District Six war. Seine Familie lebte hier ursprünglich, bis die Zwangsumsiedlung kam. District Six war einer der multikulturellsten Stadtteile in Kapstadt in den 1960er Jahren. Den streng religiösen Buren war die Art und Weise, wie die Bewohner hier lebten, ein Dorn im Auge. Der gesamte Stadtteil wurde zum Wohngebiet für Weiße erklärt und die Bewohner in Townships umgesiedelt. Die meisten Anwohner von District Six wurden in die Cape Flats gebracht.

Ein kurzer Abriß des Townshiplebens

Nach einer längeren Fahrt erreichten wir das Township, wo wir unsere Tour begannen. Unser Reiseleiter meinte, daß er jetzt hier wohnen würde und wir uns daher hier ungefährdet bewegen könnten. Es war schon ein komisches Gefühl, inmitten von so viel Armut und Dreck herumzulaufen und Fotos zu schießen. Die Hauptwege waren asphaltiert, aber man sah viele staubige Trampelpfade, die abzweigten. Bei Regen würde sich alles im Schlamm versinken, so der Reiseleiter.

Hier erfuhr ich zum ersten Mal den Unterschied zwischen Townships und informal settlements. Erstere wurden von der Apartheidregierung planmäßig errichtet und besaßen eine einigermaßen funktionierende Infrastruktur. Die meisten Häuser waren sehr klein und bestanden nur aus Küche und Schlafzimmer. Bei den informellen Siedlungen handelt es sich um Aneinanderreihungen von Wellblechbuden, die von den Anwohnern selbst erbaut wurden. Ein Stück Grund wurde besetzt und man baute darauf seine Hütte. Strom und Wasser gab es anfänglich überhaupt nicht. Im Sommer ist es den Wellblechbuden glühend heiß. In den Cape Flats erreichen die Außentemperaturen leicht 35 Grad.

Im Winter ist es dagegen sehr kalt. Nachttemperaturen von + 2 Grad im Inneren sind nicht ungewöhnlich. Um sich zu wärmen, hantieren die Bewohner mit kleinen Paraffinöfen. Dabei kommt es zu Bränden, die sich rasend schnell ausbreiten. Unser Tourguide meinte, daß es jedes Jahr einige Großfeuer gebe, durch die mehrere Hundert Bewohner ihre Unterkunft verlieren. Im Winter kommt es des Öfteren auch zu großflächigen Überschwemmungen. Alles in Allem Bedingungen, die katastrophal waren.

Township

Township

Die Bewohner des Townships

Auffällig waren die vielen Kinder, die in dreckigen Klamotten herumliefen. Ich erfuhr, daß viele der Schüler in der Schule die einzige Mahlzeit des Tages erhielten. Die familiären Verhältnisse wären oft zerrüttet. Punkte wie allein erziehende Mütter, Aids, Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Vergewaltigungen, Kriminalität, Drogen wurden vom Reiseleiter angesprochen. Je mehr wir davon erfuhren, umso bedrückter wurden wir. Die Perspektive der meisten Anwohner hier waren aussichtslos. Das dies hier sozialer Sprengstoff für ganz Südafrika war, wurde mir hier sofort klar. Allein in Kapstadt lebt etwa die Hälfte der Bewohner unter solch menschenunwürdigen Bedingungen. Seit 1994, mit dem Ende der Apartheid, wurden ihnen bessere Lebensbedingungen versprochen. Getan hat sich bisher kaum etwas. Aller paar Jahre kommt es zu großen Unruhen, die nur mit Mühe wieder eingedämmt werden. Verbessert sich aber nichts Grundlegendes, wird es eines Tages den großen Knall geben, so mein Gedanke.

Wir schauten uns eine Hütte etwas genauer an, aber bei etwa 20 m² gab es nicht viel zu sehen. Hier lebte eine junge Frau mit 2 kleinen Kindern. Arbeit hätte sie keine, ihr einziges Einkommen sei das Kindergeld. Ihre Schwester arbeite als Maid (Putzkraft) in Kapstadt. Sie wohnt bei ihrem Arbeitgeber in einem kleinen Zimmer und kommt nur am Sonntag nach Hause. Auch ein hartes Leben, getrennt von der eigenen Familie. Den meisten Teilnehmern war nach diesen Informationen die Lust an der Townshiptour schon vergangen. Alle warteten nur noch auf die Abreise.

Südafrika Reiseangebot

Besuch einer Shebeen als Abschluß der Townshiptour

Shebeens sind die Kneipen in den Townships. Die meisten davon sind ganz einfach eingerichtete Räume, wo es vorrangig Bier und typische südafrikanische Speisen wie Pap (Maisbrei) und Boerewors (Würste) bzw. Hühnchen gibt. Diverse Männer saßen bereits hier, als unsere Gruppe eintrat. Wir bestellten uns jeder eine Flasche Bier und quatschten ein wenig mit den anderen Gästen und unserem Reiseleiter. Nach einer halben Stunde verließen wir die Kneipe und fuhren zurück in die wunderschöne Welt von Kapstadt, wo wir als Touristen lebten. Ob ich anderen Kapstadt – Besucher eine solch eine Townshiptour empfehlen kann. Ich bin mir nicht sicher.

In unserer Facebookgruppe haben wir das Thema diskutiert, ob man eine Townshiptour machen sollte:

https://www.facebook.com/KapstadtEntdecken/posts/1870316439877211

Franz-Josef Link: Ich erlaube mir einen Kommentar, weil ich einige Menschen aus Townships kenne. Die meisten Argumente sind völliger Humbug. Wer nach Südafrika kommt und kein Township besucht, braucht auch nicht auf den Tafelberg. Alles gehört dazu. Die Bewohner des Townships wurden schon immer von der Weißen Minderheit respektlos behandelt. Und die Touristen setzen das fort. Man ist enttäuscht, warum die Touristen nicht kommen.

Wer diesen Menschen Respekt zeigen möchte, geht mit qualifizierten einheimischen Guides dorthin. Und zwar nicht um das Elend zu sehen, sondern, um Menschen zu treffen. Und natürlich trifft man nur die Menschen, die auch einen solchen Austausch möchten. Glaubt mir, diese Menschen sind reicher, als die Mehrheit der Mitglieder dieser Gruppe. Sie haben etwas, was uns schon lange verloren gegangen ist: Gemeinschaftsgefühl und Zufriedenheit.

Man hat eher Mitleid mit uns, weil wir immer so hektisch herumrennen. Gebt ihnen Respekt und Wertschätzung und geht in die Townships, als ehrlich interessierte Menschen. Benehmt euch als Gäste und bringt um Himmels Willen bloss keine Bonbons oder andere Sachen für Kinder mit.

Die Bewohner der Townships sind keine dummen asozialen Menschen. Und es ist auch nicht alles dreckig dort.
Man erzieht die Kinder dazu NICHT zu betteln. Wer also Kinder mit Bonbons abfüttert, verletzt den Stolz und die Ehre der Menschen dort. Wer dieses Land bereisen will, sollte auch aus Respekt die Menschen kennen lernen und sich nicht abschotten. Denn genau damit machen sich die Touristen sonst unbeliebt. Wenn ihr tatsächlich die Menschen kennen lernen möchtet, darnn gerne melden, damit ich euch mit Touguide-Kollegen aus Townships bekannt machen kann.

Patrizia H: Ja. Man kann viele dort vorhandene Projekte unterstützen (z.B. Manufakturen). Das fördert Arbeitsplätze und die dortige Wirtschaft. Außerdem öffnet es die Augen, dass eben nicht alles selbstverständlich ist.
Vor allem aber habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die dort lebenden Menschen darüber gefreut haben, dass man sich für sie interessiert.

Wa Sabi: Kann es nur jedem empfehlen. War definitiv eine der sinnvollsten Investitionen in unserem kapstadt Urlaub. Wir haben eine private Tour mit einem guide gemacht der selbst im township lebt. Mit einem reiseveranstalter in einer großen Gruppe würde ich keine Tour machen da es dann doch eher diesen „wir gehen in den zoo“charakter hat. Die Tour war sehr privat man hat sehr viel über das Leben und den altag der Menschen erfahren. Man darf sich das Leben dort weder als traurig oder perspektivlos vorstellten..Im township zählen eben ganz andere Werte wie in unserer Konsumwelt. .der Zusammenhalt zwischen den Menschen..Die hilfte und gegenseitige Unterstützung die die Menschen dort untereinander haben sind Dinge wo unsereiner sich eine dicke Scheibe abschneiden könnten..mich persönlich hat die Tour sehr bewegt und zum nachdenken angeregt..und man sollte die Augen nicht verschließen. Ein Großteil der Menschen in südafrika lebt in townships und somit gehört das einfach zu diesem schönen Land dazu. Und trotz mehrmaliger Erlaubnis fotografieren zu dürfen haben wir wir bei unsere Tour kein einziges Foto geschossen..Dieses Erlebnis gehört zu denen die man einfach im Gedächtnis und im Herzen behält. Eine tolle Erfahrung mit netten Menschen die jeder machen sollte wenn er dieses Land besucht.

Annette S: Nein…Die Armut der Menschen ist keine Touristenattraktion

Alexandra K: Ja😀 ich war öfters Sonntags mit meinen Arbeitskollegen in Guguletho im Mzoli s und hatte immer eine tolle Zeit dort mit ganz leckerem Essen und toller Musik. Die Menschen dort waren immer super freundlich. Ich kann es nur jedem empfehlen

Renate T: Wir haben ein township besucht, und zwar zu Fuß den Rundgang gemacht. Es war eine interessante und tiefgründige Erfahrung, die mir geholfen hat, viele Vorurteile aus der Welt zu räumen. Die junge Frau , die uns begleitet hat, erklärte uns mit viel Fachkompetenz die Situation und die Lebensumstände in den Townships! Sie schämt sich auch nicht, uns ihre Wohnung zu zeigen. Wir haben uns als Freunde getrennt und werden sicher auch in Zukunft Kontakt zu einander haben

Angelika G: Man darf aber als Tourist nicht nur die schlimmen Dinge gezeigt bekommen, ich war bei so einer Tour und war danach fix und fertig. Also Tourunternehmer gut aussuchen

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