Rand-Kurs im freien Fall – schlecht für Südafrika, gut für Touristen

Der Kurs der südafrikanischen Währung befindet sich im freien Fall. Als Konsequenz hat das Land am Kap heute seinen Leitzins um einen halben Prozentpunkt erhöht, um dem Druck auf die Landeswährung Rand zu begegnen und die steigende Inflation zu bekämpfen.

Damit liegt der Schlüsselzins nun bei 5,5 Prozent. Mit diesem Schritt will die südafrikanische Notenbank in Pretoria sich gegen die jüngsten Währungsturbulenzen stemmen und einen weiteren Verfall der Währung verhindern. Doch der Kursverlust des Rands hat auch was Gutes…

Kursverfall des südafrikanischen Rand seit 2012

Kursverfall des südafrikanischen Rand seit 2012

Die Gründe für den schwächelnden Rand sind vielfältig. Aktuell lässt die Geldpolitik der USA die Kurse erzittern. Zur besseren Veranschaulichung gehen wir mal einige Jahre zurück: Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) hat in der Finanzkrise damit begonnen, den Leitzins auf 0 bis 0,25 Prozent zu senken, um durch günstige Kredite Investitionen und die Konjunktur anzukurbeln. Zusätzlich ist sie dazu übergegangen Staatsanleihen und Immobilienpapiere zu kaufen, um neues Geld drucken zu können und dieses in die Wirtschaft zu pumpen. Während die Leitzinssenkung nur die kurzfristigen Zinsen beeinflusst, können durch den Anleihekauf auch die langfristigen Zinsen gedrückt werden.

Heute hat die Fed ihre Geldpolitik abermals etwas gestrafft und wird den monatlichen Anleihekauf im Februar um 10 Milliarden Dollar auf nunmehr 65 Milliarden Dollar reduzieren. Im Laufe des Jahres will die Fed das Anleihekaufprogramm schrittweise auslaufen lassen. Da sich viele Investoren aufgrund des absehbaren Endes der Geldschwemme und des zu erwartenden Aufschwungs bessere Renditechancen in den USA erhoffen, ziehen sie ihr Kapital aus den Schwellenländern ab, was auch den Druck auf den Rand erhöht und den Kurs fallen lässt.

Langsames Wirtschaftswachstum ein hausgemachtes Problem

Allein die Entscheidung der Fed ist aber nicht verantwortlich für die anhaltenden Währungskursverluste des südafrikanischen Rands. Das mangelnde Vertrauen der Investoren in die Wirtschaft Südafrikas sei auch ein hausgemachtes Problem, berichtet der IWF in seinem letzten Report, das sowohl ökonomische als auch politische Gründe habe.

Ein großes Problem sind die ständigen Streiks, die das Land in ein Produktivitätschaos stürzen und den Unternehmen Millionenverluste bescheren. Aufgrund der stark steigenden Inflation, der Lebenshaltungskosten und Unzufriedenheit kam es 2013 zu langen und heftigen Massenstreiks und der Forderung nach Lohnerhöhungen unter anderem im Automobil-, Bergbau- und Landwirtschaftssektor. Ganz aktuell werden die Platinminen bestreikt.

Viele Investoren ziehen sich in Folge dessen aus dem Land zurück oder schränken ihr Engagement ein. So hat z.B. BMW nach siebenwöchigem Streik und massiven Produktionsausfällen (mindestens 10.000 Fahrzeuge) seine kurzfristigen Investitionen in Südafrika vorerst auf Eis gelegt: Der geplante Ausbau des BMW-Werks in Rosslyn wurde gestoppt, die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die das Land mit seiner Arbeitslosenquote von ca. 25 % so bitter benötigt, ist damit vorerst vom Tisch.

Südafrika Reiseangebot

Hinzu kommt, dass die Streiks in der Regel deutliche Lohnerhöhungen von 10 bis 20 Prozent zur Folge haben. Was zunächst gut für die Arbeiter ist, wird zum echten Problem für Südafrikas Wirtschaftswachstum: Im Wettbewerb mit anderen Schwellenländern büßt die größte und am weitesten entwickelte Volkswirtschaft Afrikas zunehmend ihren Standortvorteil günstiger Lohnkosten ein.

Neben den Unsicherheiten in Sachen Arbeitsproduktivität ist auch die Unberechenbarkeit der bisweilen korrupten und orientierungslos wirkenden Politik, das geringe Bildungsniveau und Energiemangel ein großes Problem, das das Misstrauen ausländischer Unternehmen in den Wirtschaftsstandort Südafrika weiter nähren dürfte. Und so verwundert es auch nicht, dass Südafrika in 2013 lediglich ein Wirtschaftswachstum von 2 Prozent hinlegte, während viele andere Länder Afrikas seit einigen Jahren Wachstumsraten von sechs Prozent und mehr erzielen.

All das könnte langfristig zu einer Verschärfung der Problematik, zu noch höheren Arbeitslosenquoten und noch größerer sozialer Ungleichheit führen. Das German Institute of Global and Area Studies (GIGA) warnte unlängst, dass Südafrika eindeutige „Krisensymptome“ zeige, was zu einer Manifestierung der „sozialen Sprengkraft“ und zu neuer Gewalt und Unruhen führen könnte.

Touristen reisen günstig wie nie

Welche Folgen der Währungsverfall für die Wirtschaft und die Menschen in Südafrika haben kann, wird dem gemeinen Touristen in der Regel nicht auffallen oder ihn gar interessieren. Er freut sich über den besonders günstigen Urlaub am anderen Ende der Welt. Wenn man die Inflationsrate einmal nicht mit einrechnet, war es in der Tat selten günstiger für uns Europäer, in Südafrika Urlaub zu machen. In absoluten Zahlen hat man seit 1999 noch nie so viel Rand für einen Euro bekommen wie jetzt. Aktuell zahlen die Banken für einen Euro über 15 Rand aus, vor 2 Jahren waren es noch 10 Rand.

Die folgende Grafik der Europäischen Zentralbank zeigt den Kursverlauf seit 1999:

EUR vs. ZAR seit 1999 – Für 1 Euro bekommt man heute 15,27 Rand, mehr als je zuvor

EUR vs. ZAR seit 1999 – Für 1 Euro bekommt man heute 15,27 Rand, mehr als je zuvor

Immerhin könnte der günstige Wechselkurs für Europäer zu einem Anstieg der Touristenzahlen bzw. einem konsumfreudigeren Aufenthalt führen, was wiederum zusätzliche Devisen ins Land schwemmt. Schließlich ist der Tourismussektor ein nicht unbedeutender Wirtschaftszweig Südafrikas…

Bildquelle: Warren Rohner (CC BY-SA 2.0)

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