
Mit einem Linienbus fuhr ich zurück nach Windhoek. Gebucht hatte ich nichts, ich stand also frühmorgens um 6 Uhr in der namibischen Hauptstadt. Sofort sah ich typisch deutsche Gebäude, wobei es diesmal einen starken Mix mit modernen Bauten gab. Mit meinen Rucksack schlenderte ich also durch die relativ kleine Innenstadt, das Ziel war ein Backpacker, welcher in einem Reiseführer stand. Die Innenstadt selbst war nicht sehr einladend, eine schöne Fußgängerzone fehlte. Nach ca. 1 Stunde fand ich das Haus und buchte ein Zimmer für einige Tage. Am Nachmittag erkundete ich die komplette Innenstadt, was am Ende auf die Kirche, die kleine deutsche Festung mit Reiterdenkmal und das Parlamentsgebäude hinauslief. Das wars. Was ich noch beeindruckend fand: Es gibt für die Stadt kaum Frischwasserquellen, ein Großteil des Wassers ist aufbereitetes Abwasser. Für den nächsten Tag buchte ich eine Tour in die Townships, die Armenviertel am Rande der Stadt. Auch hier kämpft die Regierung mit den Folgen der Apartheidpolitik, welche die Schwarzen in die Außenbezirke in separate Viertel verdrängte. Die deutsche Kommune hier ist sehr aktiv, viele Geschäfte gehören Deutschstämmigen.
Nach 3 Tagen entschloss ich mich zur Weiterreise, zur Abwechslung mal mit dem Zug. Die meisten haben davon abgeraten, ich tat es trotzdem. Es war mehr eine Bimmelbahn, 50 km/h war die Durchschnittsgeschwindigkeit, ich war aber nicht in Eile. Ich buchte eine Doppelkabine im Schlafwagen, bis nach Keetmanshoop die Fahrt war richtig kurzweilig, auch dank des Mitreisenden in meiner Kabine. Keetmanshoop selbst ist die Hauptstadt des Südens, in Praxis handelte es sich um eine kleine niedliche Stadt mit einem beeindruckenden deutschen Postamt. Mein eigentliches Ziel war Lüderitz, der deutscheste aller deutschen Orte im Lande. Da ich jedoch keine Weiterfahrt an diesem Tag fand, übernachtete ich im Ort. Es gibt einen riesigen öffentlichen Swimmingpool, Olympiagröße, und ich war bei 35 Grad im Schatten der einzigste Besucher des Bades.
Am nächsten Morgen stellte ich mich an den Ortsausgang Richtung Lüderitz und wartete auf ein Fahrzeug, welches mich mitnahm. Da es keine Busverbindung mehr gab, ist das Mitfahren die einzigste Möglichkeit. Nach ca. 3 Stunden durch die Wüste, welche hier aber dreckig und steinig ist und nicht so dem Klischeebild entspricht, erreichte ich Lüderitz. Kurz nach Ankunft wurde ich von einem Deutschen angesprochen, der mir eine Unterkunft empfahl. Der Ort selbst ist relativ klein, hat aber noch den Charme einer dt. Kolonialstadt. Man sieht überall noch Gebäude, welche um die Jahrhundertwende errichtet wurden. Lüderitz selbst ist ein relativ verschlafener Ort, außer der kleinen Waterfront gibt es kaum touristische Plätze. Man schlendert herum, genießt die Lichtspiele und fragt sich, wie die ersten Bewohner hier vor 100 Jahren leben konnte. Einzigster Grund der Existenz ist der Hafen, die goldene Zeit ist jedoch längst vorbei. Die Fischverarbeitung ist nicht mehr gegeben, heutzutage sind auch hier die Meere leer gefischt. Was mich am meisten geschockt hat: Im Laden gab es hier Fischkonserven aus Rügen. Am nächsten Tag gönnte ich mir eine Segeltour entlang der Küste. Die ganze Zeit verfolgten uns dabei Delphine. Unser Skipper war ein deutschstämmiger Namibier, der ein Deutsch sprach, was etwa 100 Hundert Jahre alt war. Die nächsten Tage genoss ich das Nichtstun hier am Ende der Welt, lange schlafen, spazieren gehen bis zum Diaz – Aussichtspunkt oder auch nur Baden. Dummerweise ist hier das Wasser auch noch eiskalt, mehr als 13-14 Grad sind es nie. Eigentlich wollte ich noch die verlassene Diamantengräberstadt Kolmanskop anschauen, es klappte jedoch nicht mit der Erlaubnis.
Nach einigen Tagen ging es per Anhalter wieder zurück nach Keetmanshoop. Von dort nahm ich den Bus nach Upington, um hier die sechstgrößten Wasserfälle der Welt anzusehen. Insgesamt verbrachte ich 3,5 Wochen in Namibia, ein Land, welches ich als Reiseziel nur empfehlen kann.
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