Meine ersten Tage als Sprachschüler in Kapstadt

Sicht

Blick auf Kapstadt

Die letzten 6 Wochen verliefen noch mal richtig hektisch, bevor ich endlich im Flieger nach Kapstadt saß, um einen Sprachkurs zu absolvieren. Vor 3 Monaten hatte ich mich entschieden, in Südafrika mein Englisch aufzufrischen, welches total eingerostet war. Nachdem ich 2 Jahre eine Doppelbelastung aus Fernstudium und Job überstanden hatte und gerade arbeitssuchend war, wollte ich mir eine längere Auszeit gönnen. Mein Plan sah 7 Monate Südafrika vor, ein Besuch eines Englisch-Sprachkurs in Kapstadt und in Durban, jeweils unterbrochen durch eine mehrwöchige Reisephase.

Schwierigkeiten mit meinem Studentenvisum

Die Sprachschule hatte ich bereits gebucht, aufgrund der etwas komplizierten Visabestimmungen wegen des langen Aufenthaltes sogar eine Agentur beauftragt, mir mein Studentenvisum zu besorgen. Laut des Sprachreiseveranstalters sollte es keine Probleme mit der Erlangung des Visums geben, von ihrer Seite hatte man alle notwendigen Dokumente parat. Und dann kam der Dienstleister mit der Hiobsbotschaft, daß zum einen Nachweise fehlen und zum anderen Reisezeiten während des Sprachschulaufenthaltes nicht möglich wären.

Nach langen Diskussionen bekam ich dann von der Schule in Kapstadt die Bescheinigung, daß ich dort die komplette Zeit ein Sprachschüler sei, obwohl ich die Verlängerung erst vor Ort später buchen wollte. Die Nachweise konnte ich auch noch kurzfristig besorgen, so dass ich exakt 1 Woche vor Abflug mein Study Permit bekam.

Visum Südafrika

Visum Südafrika

Ankunft in Kapstadt

Das Flugzeug landete pünktlich an einem Sonntagmorgen in Kapstadt. Mein ganzes Wissen über die Stadt und Südafrika hatte ich aus einem kleinen Reiseführer erworben. Man konnte auch sagen, daß dieses Wissen sehr beschränkt war. Meine Sprachkenntnisse waren mittelprächtig, das Verstehen war akzeptabel, aber meine Redefähigkeiten auf Englisch richtig bescheiden.

Der Sprachreiseveranstalter holte die Kursteilnehmer immer vom Flughafen ab. Ich hielt Ausschau nach einem Schild mit meinen Namen und war richtig froh, als ich ein Schild mit meinem Namen entdeckte. Der junge Mann begrüßte mich und teilte mir mit, daß ich der einzige Fluggast sei, den er abzuholen hatte. Wir gingen zusammen zum Parkplatz, wo ich in einem richtig schäbigen alten Mercedes Platz nehmen durfte. Er erklärte, daß es sein Privatauto sei und er mit dem Abholservice etwas Extrageld verdiene. Ich war nun positiv überrascht, daß es mir gelang, mit ihm eine anständige Konversation zu führen.

Nachdem wir den Flughafenzubringer passiert hatten, gelangten wir auf die Autobahn Richtung Stadtzentrum. In der Ferne sah man bereits den Tafelberg, doch der aktuelle Blick aus dem Auto war schockierend. Rechts und links standen kilometerweit Wellblechbuden an Wellblechbuden. Das waren also die berüchtigten Townships, von denen es so viele in Südafrika geben sollte. Überall wimmelte es von Menschen. Nach etwa 10 Minuten Autofahrt erreichten wir die Innenstadt von Kapstadt und der Ausblick war umwerfend.

Blick auf den Tafelberg von Bloubergstrand (Bild: Danie van der Merwe, CC BY 2.0)

Blick auf den Tafelberg von Bloubergstrand (Bild: Danie van der Merwe, CC BY 2.0)

Auf der linken Seite erhob sich der 1000 m hohe Tafelberg, rechts sah man das Hafengelände und geradeaus ragte ein weiterer Hügel hervor. Aufgrund des Wochenendes war kaum Verkehr auf der Autobahn und wir erreichten nach weiteren 10 Minuten die Stadtteile am Meer. Meine Sprachschule und die Unterkunft lagen in Sea Point, einem Mittelklasseviertel.

Kennen lernen meiner Gastfamilie

Um gezwungen zu sein, ständig Englisch zu sprechen, hatte ich eine Unterkunft in einer Gastfamilie gebucht. Neben den alltäglichen Gesprächen mit den Familienmitgliedern war die im Unterkunftspreis enthaltene Halbpension ein Grund, mich für diese Variante zu entscheiden. Vor der Abreise konnte man mir jedoch noch nicht sagen, wo ich schlafen würde. So hoffte ich jetzt, von einer netten Familie mit vielleicht einem Kind begrüßt zu werden.

Südafrika Reiseangebot
Meine Unterkunft an der Sprachschule

Meine Unterkunft an der Sprachschule

Mein Fahrer hielt direkt an der Uferpromenade in Sea Point vor einem der großen Wohnblöcke. Das Gebäude sah von außen etwas heruntergekommen aus, dafür war die Lage direkt am Meer aber top. Wir klingelten dann an der Tür in einen der oberen Geschosse und eine ältere Dame öffnete. Dies sollte also meine Gastmutter für die nächsten Wochen sein. Mir wurde sofort mein Schlafzimmer gezeigt, wo ich meine Klamotten ablegen konnte. Der Fahrer verabschiedete sich und ich befand mich nun alleine in einer Kapstädter Wohnung mit einer fremden älteren Südafrikanerin. Zu meinem Erschrecken stellte ich fest, daß ich die Dame kaum verstand.

Sie redete viel schneller und undeutlicher als mein Abholer. Mit Händen und Füßen übten wir uns im Small Talk, aber es war nicht sehr ergiebig. Ihr Name war „Queenie“ und sie lebte allein in dem Appartement. Soviel also zum Thema Familie. Meine Nachfrage nach weiteren Mitbewohnern brachte die nächste Enttäuschung. Die kommende Woche wäre ich der einzige Gast bei ihr in der Wohnung und in der darauf folgenden Woche erwartete sie einen weiteren deutschen Sprachschüler. Dümmer hätte also mein Aufenthalt in Südafrika nicht beginnen können.

Jogging auf der Sea Pointer Promenade

Jogging auf der Sea Pointer Promenade

Erste Erkundung der näheren Umgebung

An diesem Sonntagmorgen präsentierte sich Kapstadt in kühler und grauer Verfassung. Dicke Wolken hingen am Himmel und ließen keinen Sonnenstrahl durch. Die Temperatur war angenehm, aufgrund der kühlen Meeresbrise entschied ich mich jedoch für lange Klamotten. Viele Passanten waren auf der Uferpromenade unterwegs bzw. nutzen das kühle Wetter zum Joggen. Ich entschied mich, den Weg Richtung Süden zu gehen. Sea Point schien die perfekte Lage zu haben, auf der einen Seite das Meer und auf der Rückseite begrenzte der Signal Hill den Stadtteil.

Einzig die hohen und älteren Wohnblocks an der Uferstraße trübten etwas das positive Bild. Nach etwa 20 Minuten Spaziergang erblickte ich das berühmte Freibad von Sea Point. Aufgrund der Temperaturen war es jedoch nur gering besucht. Ich entschied mich, entlang der Küste immer weiter zu laufen. Nach etwa 1 Stunde stand ich plötzlich im Stadtteil Clifton.

Clifton 1-4

Clifton 1-4

Am Gehweg zeigte ein Hinweisschild auf einen Strand und so stieg ich die diversen Stufen hinab. Unten präsentierte sich dann eine schöne Bucht, die von diversen Felsblöcken begrenzt wurde. An einer ruhigen Stelle ließ ich mich nieder, um das Strandtreiben etwas zu beobachten. Einige Leute spielten Baseball bzw. Frisbee, ansonsten war es auch ruhig. Im Meer war keiner und nachdem ich einen Fuß ins Wasser steckte, wusste ich auch den Grund. Der Atlantik was eiskalt, vielleicht 14 Grad.

Nach einer Weile trottete ich dann zurück zu meiner Gastmutter, um pünktlich zum Abendessen da zu sein. Hier stellte ich dann fest, daß ich mir während der wenigen Stunden im Freien einen ordentlichen Sonnenbrand eingefangen hatte. Ein typischer Anfängerfehler der Kapstadtbesucher, welche an trüben Tagen die Stadt erreichen.

 

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