Mein persönlicher Bettler

Bettelei

Bettler

Ich glaube kaum, daß viele Leute von sich behaupten können, jeweils einen „eigenen“ Bettler gehabt zu haben. In meiner Anfangszeit in Kapstadt bin ich jedoch in diese Situation geraten. Wie in vielen armen Länder der Dritten Welt trifft man bettelnde Menschen auch überall in Kapstadt. In den meisten Fällen sitzen sie ruhig auf der Straße und schauen einen nur mit großen Augen an.

Da die Polizei in den letzten Jahren in vielen Kapstädter Stadtteilen rigoros gegen Bettelei und insbesondere aggressive Bettelei vorging, wird man heute von ihnen nicht mehr so bedrängt. In Sea Point saß während meiner Zeit an der Sprachschule immer der gleiche ältere Mann vor dem Supermarkt. Wie wahrscheinlich die meisten Passanten habe ich ihn gar nicht weiter wahr genommen.

Als ich „meinen“ Bettler kennen lernte

Eines Tages, an dem ich so richtig glücklich war, die Entscheidung Kapstadt getroffen zu haben, gab ich ihm einfach 10 Rand. Rechnet man die südafrikanische Währung um, sind es weit weniger als 1 Euro. Es hört sich nicht viel an, aber damit kann man schon 2 Packungen Toastbrot kaufen. Er bedankte sich vielmals. Am nächsten Tag saß der Bettler wieder vor dem Eingang des Supermarktes.

Er erkannte mich sofort. Diesmal wechselte ich einige wenige Worte mit ihm. Und so ging es jeden Tag weiter. Praktisch jeden Tag kam ich an seinem Platz vorbei. Da unser Sprachschullehrer uns wieder immer sagte, daß wir jede Möglichkeit zum Reden mit den Einheimischen nutzen sollten, um unser Englisch zu üben, quatschte ich manchmal auch etwas länger mit ihm.

Nach jedem kurzen Plausch schaute er mich mit großen Augen an und fragte, ob ich ihm etwas helfen könnte. Ich gab ihm nicht jedes Mal eine Münze. Wir kamen in den Rhythmus, daß wir jeden Tag einige Worte wechselten. Er kannte nun meinen Namen und begrüßte mich jedesmal mit „Hallo Andre“. Nachdem ich ihm klar gemacht hatte, daß ich nicht jedes Mal zahlen werde, übte er sich in Zurückhaltung. Aber alle 3-4 Tage bat er um eines Geld, daß ich dann gab.

Südafrika Reiseangebot

Ein Besuch bei ihm zu Hause

Eines Tages meinte er, daß ich mal bei ihm vorbei kommen könnte, wenn ich Lust hätte. Er wohnte in einer selbstgebauten Wellblechbude neben dem Stadtviertel Bo-Kaap. Vorher war mir gar nicht aufgefallen, daß in diesem Gebiet auch solche Hütten standen, die sonst nur in den Townships sind. An einem Nachmittag schaute ich mit einer Mitschülerin bei ihm vorbei. Die Lebensbedingungen waren erschreckend, es war nur eine Hütte, verkleidet mit Wellblech, ohne jedwede sanitäre Versorgung. Es stank nach Rauch und Müll. Im Raum gab es ein Bett und einen Stuhl, daß war alles. Meine Begleiterin ekelte sich richtig und nach wenigen Minuten verließen wir den Ort wieder.

Time to say good bye

So ging es noch einige Wochen weiter. An manchen Tagen machte ich einen Bogen um ihn, da ich nicht mit ihm reden wollte. Mark lachte nur, wenn ich davon erzählte. Selber schuld, wenn ich mit ihm eine Art Beziehung aufgebaut hatte, meinte er. Eines Tages erzählte er mir dann, daß er Kapstadt verlassen und nach Hause gehen würde.

Seine Heimat sei Durban. Die Stadtverwaltung würde ihm das Geld für die Reise geben, damit er hier nicht mehr betteln müßte. Seine ganze Familie lebte dort, er hatte jedoch bisher nicht das Geld gehabt, um nach Hause zu gelangen. Einige Tage später war er für immer fort.

 

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