McGregor – ein Geheimtipp an der Route 62

Hallo Anette und Robert. Ihr Zwei kommt von der Mosel und besitzt jetzt eine Weinfarm in Südafrika. Da dürft Ihr gleich mal etwas ausholen und erzählen, wie es dazu kam, daß Ihr nun in McGregor lebt.

Tanagra Destillerie McGregor

Wir waren 1996 zum ersten Mal in Südafrika und haben uns gleich in dieses Land und seine Leute verliebt und seitdem Südafrika fast jährlich bereist. Und wie es so geht, fängt man dann irgendwann an zu überlegen, wie es wohl wäre, hier zu leben. Und mit dieser (anfänglich eher noch sehr vagen) Vorstellung, haben wir dann angefangen, uns – völlig unverbindlich – nach Möglichkeiten umzuschauen. Ohne jeglichen Druck, denn wir waren eigentlich mit unserem Leben in Deutschland sehr zufrieden: Wir hatten dort unser Traumhaus und beide Berufe, die wir liebten.

Ja, und eines Tages hat es uns dann nach McGregor verschlagen und wir haben Tanagra kennengelernt, das gerade zum Kauf angeboten wurde.

Die Farm war zu der Zeit ziemlich runtergewirtschaftet und wirtschaftlich unprofitabel, aber wir haben sofort diese besondere Atmosphäre auf der Farm und in diesem Tal gespürt und uns in die Farm verliebt. Und haben schliesslich die Farm gekauft. (Zwischen unserem ersten Besuch und dem finalen Kaufvertrag lag allerdings erhebliche Zeit, da wir vorab etliche Dinge klären wollten. Wir gehören also nicht zu dem Typ Auswanderer, der sieht, kauft und umzieht. Wir waren da schon sehr vorsichtig und wollten sicherstellen, dass die Pläne, die wir mit der Farm vorhatten, auch rechtlich möglich waren.)

Tanagra Wild Fig Tree – Namensgeber

Wie waren denn so die ersten Monate und Jahre? Was durftet Ihr alles machen, um jetzt, nach über 10 Jahren, ein gut laufendes Weingut zu besitzen?

Das würde jetzt wirklich ein ganzes Buch füllen !  Wir kamen hier mit 3 Koffern und 3 Katzen an und bis 6 Wochen später unser Container aus Deutschland eintraf, machten wir sozusagen ‚indoor camping‘. Daneben mussten wir uns mit den praktischen Problemen auf einer Farm befassen. Wenn man in Deutschland einen Wasserhahn aufdreht, ist das eine Selbstverständlichkeit. Hier auf der Farm springt dann eine Pumpe an. Und die meisten Pumpen hier waren entweder kaputt oder hatten eine ‚Macke‘. Und es hat Monate gedauert, bis wir überhaupt alle Pumpen gefunden hatten !

Dann haben wir in den ersten Monaten tatkräftig mit dem Umbau der vorhandenen Cottages und Apartments begonnen, denn die Vermietung an Gäste sollte eine unserer finanziellen Säulen darstellen. Die Weinberge waren in keinem guten Zustand und mussten aufgepäppelt werden. Ausserdem bauten wir unsere Brennerei auf – wir hatten eine Anlage aus Deutschland mitgebracht, weil wir hier Edelbrände brennen wollten.

Also, die ersten Monate und Jahre waren schon hart, aber auch unglaublich spannend. Und vor allem: wir sind sehr herzlich von den Menschen in McGregor aufgenommen worden und fühlen uns hier extrem wohl.

Tanagra Weingut Mc Gregor

Was waren positive, was negative Überraschungen?

Positive Überraschungen: Wie freundlich wir hier willkommen geheissen wurden, die wunderbaren Gäste (mit einigen von ihnen sind mir mittlerweile befreundet) und welche Schätze wir aus den alten Weinbergen herausholen konnten.

Negative Überraschungen: Naja, all die Dinge, die nicht funktionierten, als wir hier ankamen (Pumpen, Geräte, etc.). Und obwohl wir nicht naiv an diese grosse Aufgabe herangegangen sind, haben wir doch den enormen Kraftakt unterschätzt, der erforderlich war, um hier im Western Cape eine Wein- und Gästefarm zu führen und zu etablieren. Und dann natürlich Loadshedding (für Deutsche natürlich ein ‚Schock‘, aber wir bewundern die Flexibilität, mit der die Südafrikaner mit den Stromausfällen umgehen).

Tanagra Team

Eure Weinfarm ist Bestandteil der Robertson Wine Route. Könnt Ihr diese Wine Route etwas genauer beschreiben?

Die Robertson Wine Route umfasst die weitere Region des Robertson Valley, einschliesslich McGregor, Bonnievale und Ashton. Es gibt viele Weingüter, von kleinen Boutique Wineries (wie Tanagra) zu grossen Genossenschaften (Robertson Winery) und einige alt-etabierte und familiengeführte Spitzenweingüter wie Springfield und De Wetshof. 

In unserem Tal werden sowohl alltagstaugliche als auch Spitzen-Weiss- und Rotweine angebaut, sowie MCC.  Alle Weingüter sind für Besucher geöffnet, entweder mit festen Öffnungszeiten oder auf Vereinbarung. Wenn man nicht selbst fahren möchte, kann man sich eine geführte Weintour buchen, bei der man zu ausgewählten Weingüter gefahren wird.

Genuß in Tanagra McGregor

Welche Weinsorten baut Ihr denn so an? Neben Wein destilliert Ihr ja auch Grappa und Eau de Vie, eine Art Obstbrand.

Wir bauen hier überwiegend Rotwein an (Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Shiraz, Merlot, Pinotage) und einen Weisswein (Colombard), alles in kleinen, zertifizierten Einzellagen. Die Weine werden dann so natürlich wie möglich ausgebaut (Spontanvergärung mit natürlichen Hefen, nur wenig Schwefel, Ausbau in neutralen Holzfässern).

In der Brennerei stellen wir hochwertige Edelbrände vor, einige davon aus ‚Begleitprodukten‘ der Weinherstellung (wie Grappa/Tresterbrand, der aus den Pressrückständen gebrannt wird und Hefebrand, der aus der Weinhefe hergestellt wird), andere aus regionalem Obst (Aprikosen, Pfirsische, Orangen, Zitronen).

Wir verwenden hier die französischen Bezeichnung Eau de Vie, da man die deutsche Terminologie (Brand) international weniger bekannt ist. Diese Art von Produkten, die bei uns an der Mosel selbstverständlich zur Essens- und Trinkkultur gehören, sind hier eher exotisch, und es macht uns grosse Freude, die Südafrikaner mit diesen Produkten vertraut zu machen.

Tanagra Grappa

Tagsüber bietet Ihr Weinverkostungen an. Könnt Ihr hier etwas ausholen.

Ja, Gäste und Besucher können die Weine und Edelbrände verkosten, die wir hier produzieren. Unser Verkostungsraum ist recht unkonventionell – er fungiert gleichzeitig als Buero, Empfang und Verkostungsraum. Wir führen die Verkostungen persönlich durch und es gibt kein ‚Protokoll‘.

Die allerwenigsten Menschen schaffen es, das gesamte Sortiment (derzeit 7 Weine und 15 Edelbrände) zu verkosten, insofern versuchen wir herauszufinden, was der jeweiligen Person schmecken könnte und gestalten dann die Probe entsprechend. Also ganz individuell.

Wir berechnen R 40 pro Verkostung für Besucher, die wir bei Kauf von Weinen/Bränden im Wert von R 200 allerdings erlassen. Für Gäste, die bei uns wohnen, gehören die Verkostungen zum Service und sind kostenlos.

Robert beim Destillieren

Auf der Weinfarm gibt es einige Selbstversorger – Unterkünfte. Welchen Service bietet Ihr hier den Gästen?

Unsere Cottages sind alle komplett für Selbstversorger ausgestattet. Sie werden alle 3 Tage gereinigt (mit Handtuchwechsel), einmal die Woche wird die Bettwäsche gewechselt. Da wir auch auf der Farm leben, sind wir bei Problemen immer direkt vor Ort und Gäste können auch tagsüber immer gerne mal bei uns im Büro (= Probierstube) auf ein Gläschen Wein oder Schnaps, oder eine richtige Verkostung vorbeischauen.

Wir haben die ganze Farm durch Wanderwege erschlossen, die unsere Gäste zum spazieren gehen nutzen können. Es gibt auch einen Pflanzenlehrpfad entlang einem Wanderweg, der Informationen zu den typischen Sukkulenten und Aloen gibt, die auf unserer Farm wachsen. Gerne geben wir auch persönliche Tipps.

Südafrika Reiseangebot
Tanagra Unterkunft

McCregor selbst ist eine kleine Stadt, die eine Viezahl von reetgedeckten „Cape Cottages“ aufweist, soweit das Internet. McGregor ist auch ein Zentrum für Esoterik und spirituelle Lebensweise. Wie würdet Ihr den Ort beschreiben?

McGregor kann man eigentlich nicht gut beschreiben – McGregor muss man einfach selbst erleben. Der Ort ist nicht nur geographisch abgeschieden (die Strasse endet in McGregor), sondern wirkt irgendwie ‚heiter entrückt‘. Die Menschen sprechen hier immer von der ‚McGregor Magic‘, die man gleich verspürt, wenn man in den Ort kommt. Die Menschen sind warm und herzlich, man schliesst schnell Freundschaften. Und obwohl es hier eine gute touristische Infrastruktur ist, ist der Ort noch herrlich – und im besten Sinn – untouristisch. 

Abend in Tanagra

Wohin schickt Ihr Eure Übernachtungsgäste zum Abendessen in McGregor?

Unsere Farm liegt entlang der Strasse, die von Robertson nach McGregor führt. Wir sind 10 Minuten von Robertson und 5 Minuten von McGregor entfernt, insofern sind beide Orte gut zu erreichen.

Das Restaurant an der Donkey Sanctuary, gegenüber unserer Farm, kann man sogar zu Fuss erreichen. Wir schicken unseren Gästen immer vorab eine aktuelle Liste der Restaurants.. Es gibt in McGregor einige Restaurants, allerdings gibt es auch eine ziemliche Fluktuation.

Das Tebaldi’s in McGregor ist eine alte Institution – das gab es schon, als wir hier ankamen, und man kann dort herrlich im Garten sitzen und lunchen oder abendessen und dort in die besondere ‚laid-back‘ Atmosphäre von McGregor eintauchen.

Vrolijkheid Nature Reserve grenzt unmittelbar an Eure Weinfarm. Was können Besucher dort vorfinden?

Das Vrolijkheid Nature Reserve bietet sich zum Wandern, Mountainbike fahren und zur Vogelbeobachtung an. Es gibt dort kleinere Wege und einen anspruchsvollen 19km langen Trail. Wie McGregor ist auch das Vrolijkheid Nature Reserve sehr untouristisch und man kann dort noch in aller Ruhe wandern, ohne einer anderen Seele zu begegnen.

Tanagra im Winter

Für aktive Urlauber gibt es auch diverse bike trails in der Umgebung. Könnt Ihr den Lesern hier noch einige Info geben.

Südafrika im allgemeinen, aber auch insbesondere die Region Robertson/McGregor ist bei Mountainbikern sehr beliebt. Mehrmals machte bereits das sehr anspruchsvolle Cape Epic Rennen hier Station. Auch findet jährlich Ende September das 3 tägige Ride-to-Nowhere Rennen in McGregor statt.

Aber auch für den etwas weniger ambitionierten Mbiker gibt es eine Vielzahl von Routen. Entweder auf einer der vielen, wenig befahrenen Schotter(neben)strassen oder auch z.B. auf dem Mountain  bike trail, den man direkt von unserer Farm ansteuern kann. Weitere sehr schöne Trails befinden sich z.B. bei dem Weingut Van Loveren oder der Rooiberg Winery.

Tanagra – Wanderweg

Eine Vielzahl von Wanderwegen in der Umgebung führt das Tourismusbüro an. Zu welchen Jahreszeiten und Tageszeiten sind Wanderungen angebracht? Ich gehe mal davon aus, daß der Hochsommer kaum die richtige Zeit dafür ist.

Wir haben tatsächlich auch Gäste, die im Hochsommer hier wandern gehen (wenn man morgens ganz früh loszieht, geht das auch gut), aber das ist in der Tat nicht die ideale Zeit zum wandern. Besonders gute Zeiten zum Wandern sind der Herbst (April, Mai) oder der Frühling und Frühsommer (September – Mitte Dezember), aber selbst im Hochsommer ist es nicht immer heiss hier.

Boesmanskloof trail

Robertson ist der nächstgelegene größere Ort. Was können Urlauber hier erleben ?

Robertson ist der nächstgelegene größere Ort. Was können Urlauber hier erleben? –  Robertson bietet eine gute Infrastruktur für Urlauber (gute Supermärkte, Restaurants, Weingüter, ein sehr guter Golfplatz). Wir können v.a. empfehlen, die vielen vielen Weingüter zu besuchen, die es im Robertson Wine Valley gibt. Gerne beraten wir unsere Gäste bei der Auswahl.

Welche touristischen Ziele liegen denn noch innerhalb einer Autostunde von McGregor?

Klaasvoogds (ausserhalb von Robertson, mit guter Gastronomie, einer Olivenfarm mit Oliventouren, einer Sukkulentenfarm und guten Weingütern), Montague, Swellendam. Eine schöne Tagestour von hier aus ist die Fahrt nach Barrydale, über Swellendam und den Tradouw Pass und man kann von hier aus auch gut mal ans Meer fahren, um Wale zu schauen (Hermanus, Cape Agulhas, Struisbaai) oder nach Franschhoek oder Stellenbosch fahren, aber das sind dann auch Tagestouren.

Bootsfahrt auf dem Breede River

Gibt es sonst noch was, daß Ihr den Lesern mitteilen wollt?

McGregor ist so etwas wie ein Geheimtipp an der Route 62 und besonders fuer Besucher geeignet, die – abseits der Touristenströme – nach Ruhe, Beschaulichkeit und Individualität suchen. Man kann leicht Kontakte mit den ‚Einheimischen‘ knüpfen, wenn man das wünscht.

Robert & Anette

Kontaktdaten

Tanagra Wine and Guest Farm
Anette and Robert Rosenbach

Phone +27 (0)23 625 1780
Fax +27 (0)23 625 1847
E-Mail: tanagra@tanagra.co.za

Homepage: https://tanagra.co.za

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