Interview: Warum ich es keine Sekunde bereue, nach Südafrika gegangen zu sein

Silke, kannst Du Dich bitte vorstellen?

Mein Name ist Silke Rylands. Ich bin 34 Jahre alt und vor 2 Jahren der Liebe wegen nach Südafrika ausgewandert. Ich war für meinen alten Arbeitgeber im Jahr 2014 für ½ Jahr in Johannesburg. In dieser Zeit verliebte ich mich. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland führten wir zunächst ein Fernbeziehung. 2015 haben wir geheiratet und im Februar 2016 habe ich alle Zelte in Deutschland abgebrochen.

Silke Rylands

Zuerst wollte ich hier einen normalen Job suchen. Das gestaltete sich aber schwieriger als gedacht und ich merkte mit der Zeit, dass eine Festanstellung auch gar nicht mehr das ist, was ich will. Also belegte ich einen Kurs an der Uni für Gründung und Management von kleinen Unternehmen und setzte das anschließend in die Tat um. Als Ausländerin eine Firma in einem fremden Land zu gründen hat natürlich seine Tücken. Jetzt betreibe ich von hier aus einen Online Shop in Deutschland. Zudem engagiere ich mich ehrenamtlich für ein Kinderheim hier in Johannesburg und tüftele gerade an der Idee eine eigene Charity Organisation zu gründen. In der Zwischenzeit, vor 8 Monaten, kam übrigens auch unser Sohn zur Welt, der natürlich die meiste meiner Zeit in Anspruch nimmt.

Was genau gibt es denn in Deinem Online Shop?

Ich kaufe auf südafrikanischen Märkten Gemälde von lokalen Künstlern, zu fairen Preisen, und verkaufe sie in meinem Shop www.arts-of-africa.de. Somit habe ich mein eigenes kleines Business und eine weitere Art hier die Menschen zu unterstützen. Denn durch den Verkauf der Gemälde an mich haben die Künstler ein kleines Einkommen. Die Gemälde sind alle handgemalte Unikate. Ich habe auch einen Wunschservice. Wenn jemand ein spezielles Motiv, Größe oder Stil haben möchte, versuche ich, diesen Kundenwunsch bestmöglich zu erfüllen. Ich versende die Gemälde an meinen Logistikpartner in Deutschland. Einfach um Lieferkosten zu sparen und um die Lieferzeit für den Kunden in Deutschland geringer zu halten.

Arts of Africa

Also wer gerne ein original Bild aus Südafrika hätte kann sehr gerne in meinem Shop vorbeischauen.

War es kompliziert eine Firma in Südafrika zu gründen?

Ja, das Gründen der Firma brachte durchaus Schwierigkeiten mit sich. Keine Firmengründung ohne Bankkonto, kein Bannkonto ohne work permit, keine work permit ohne bestehende Firma. Ein Kreislauf… Zum Glück ist mein Mann Südafrikaner und konnte mir aushelfen. Er hat dann z.B. das Bankkonto zuerst in seinem Namen eröffnet und war kurzzeitig Direktor meiner Firma. Anschließend musste das dann natürlich alles wieder auf meinen Namen abgeändert werden. Kompliziert, aber zum Glück hat es letzten Endes geklappt.

Erzähle doch ein bisschen vom Kinderheim, das Du unterstützt.

Das Kinderheim heißt Hugh’s Haven und liegt in Kelvin, Johannesburg. Es beherbergt derzeit 17 Kinder im Alter von 1 – 8 Jahren. Die Kinder sind entweder verwaist oder ihre Eltern können sich aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen nicht um sie kümmern. Ein wichtiges Ziel haben wir erreicht. Das Heim konnte in ein größeres, helleres Haus mit Garten in einer sicheren Gegend ziehen und sie müssen keine Miete zahlen. Die Kosten für die Renovierung wurden komplett von einem deutschen Spender übernommen. Zwei weitere wichtige Dinge stehen noch aus: Wir müssen versuchen genügend regelmäßige Spender zu finden, um die laufenden Kosten zu decken (für Lebensmittel, Strom, Medizin etc.) und wir müssen alle nötigen rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit die Kinder zur Schule gehen können.

Südafrika Reiseangebot

Kinder von Hugh’s Haven

Du sagst Du möchtest eine eigene Charity Organisation Gründen. Kannst Du uns mehr darüber erzählen?

Das ist noch ganz im Anfangsstadium. Geplant ist es nicht nur eine einzige feste Einrichtung wie z.B. das Kinderheim zu unterstützen, sondern breiter gefächert. Dies sind Projekte, die ich ins Auge gefasst habe:

-Spender für Schulgelder finden (Paten)
-Nachmittagsbetreuung in sozial schwacher Gegend
-Essen kochen und verteilen
-Medizin, Kleidung, Spielzeug etc. sammeln und an Bedürftige verteilen
-Sportaktivitäten anbieten
-Fun Days für Kids im Township organisieren
-Skills Training für Teenager und junge Frauen

Natürlich ist all dies nur mit Unterstützung von Spendern möglich. Falls jemand Interesse daran hat und gerne spenden möchte (oder in Kapstadt lebt und mit anpacken möchte) meldet Euch bitte. Ich stehe jederzeit für alle Fragen zur Verfügung. Es wäre wirklich toll, wenn wir zusammen das Leben einiger Menschen positiv verändern würden. silke.rylands@arts-of-africa.de

Was magst Du an Südafrika besonders und was nicht so sehr?

Natürlich mag ich das Wetter. Hier wird es einfach nicht so kalt wie in Deutschland. Wobei ich sagen muss, dass ich hier abends im Winter manchmal ganz schon friere. Hier gibt es keine Isolierung wie bei uns oder Zentralheizungen. Die Lebensweise ist einfach ganz anders. Leute sind entspannter, nicht so sehr von Zeit- und Erfolgsdruck geprägt. Die Arbeitsmoral ist ebenfalls größtenteils eine andere, was mich manches mal zur Verzweiflung gebracht hat. Die Leute hier sind offener. Die Landschaft Südafrikas und die Tierwelt sind wunderschön. Hier gibt es alles – Meer, Berge, man kann auf Safaris gehen, unendliche Weiten mit dem klarsten Sternenhimmel, den man sich vorstellen kann.

Woran ich sehr zu knabbern habe ist die Armut hier. Es gibt kein soziales System wie in Deutschland und viele Menschen leben wirklich am absoluten Existenzminimum. Millionen Menschen leben in Blechhütten in Townships, an jeder Ecke sieht man Bettler. Deshalb hatte ich auch das dringende Bedürfnis mich hier für die weniger Privilegierten zu engagieren.

Und auch die Rassendiskriminierung ist doch noch sehr spürbar, von beiden Seiten. Leider herrscht hier auch viel Kriminalität. Mir ist bisher nichts passiert, aber fast jedem, den ich kenne. Das ist schon manchmal ein wenig beängstigend. Das Essen hier ist sehr lecker und in Restaurants essen gehen vergleichsweise günstig.

Resumé nach 2 Jahren: würdest du es wieder tun?

Auf jeden Fall. Ich musste damals eine Grundsatzentscheidung treffen: den Mann, den ich liebe aufgeben oder ein neues Leben auf einem anderen Kontinent starten. Ich hätte es mein Leben lang bereut, wenn ich nicht umgezogen wäre, um bei meinem Mann zu sein. Meinen Sohn, das tollste Geschenk, das man sich vorstellen kann, ein kleines Wunder, würde es nicht geben und ich kann und will mir ein Leben ohne ihn gar nicht vorstellen. Zudem habe ich auch so viele andere neue Erfahrungen gesammelt und auch Einiges über mich selbst gelernt. Natürlich vermisse ich meine Familie und Freunde sehr. Trotzdem würde ich es immer wieder so machen.

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One thought on “Interview: Warum ich es keine Sekunde bereue, nach Südafrika gegangen zu sein

  1. Toller Bericht! Wir werden zwar nur als Touristen nach Südafrika reisen, aber auch eine andere Seite, wie man das Land besuchen kann, interessiert mich immer!

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