Ein Partnerschaftsprojekt der Agenda21-Partnerschaft Aachen-Kapstadt zur gesunden Ernährung und Bewegung für Grundschulkinder in Kapstadt, Südafrika von April bis Juni 2010.
„Eine mächtige Flamme entsteht aus einem winzigen Funken.“ [Dante Alighieri]
Schulen übernehmen bezüglich der Erziehung von Kindern und Jugendlichen überall auf der Welt eine enorme Verantwortung. In sozio-ökonomisch schwachen Gegenden wie Kapstadts „Farbigen-Vorort“ Grassy Park, ist ihr Einfluss auf die Schülerinnen und Schüler von besonderer Bedeutung. Denn dann übernimmt die Schule oft die einzige pädagogische Verantwortung im Alltag der Kinder und Jugendlichen und muss deshalb in erster Linie mit professionellem Lehrpersonal ausgestattet sein, das sich auf die spezifischen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Schülerinnen und Schüler anpassen kann. Gleichzeitig unterstützt die praktische Gestaltung der Schule die Motivation und Freude beim Lernen und Lehren. Dabei stellen insbesondere die Schulhöfe, nicht nur in den Pausen zum Spielen, sondern auch während des gesamten Schulalltags, eine ideale Möglichkeit dar, die Kinder durch Bewegung zum Lernen anzuspornen und sie für Natur und Umwelt zu sensibilisieren. In „Sommer-Ländern“ wie Südafrika sind Alternativen zum konventionellen Klassenzimmer und einem Betonschulhof angebracht, vor allem in den Cape Flats, wo es nur wenige bis gar keine Spiel-, Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in der freien Natur gibt.
Das Projekt “Healthy Schools in Grassy Park“ setzte an dieser Stelle an und zielte darauf ab, an drei ausgewählten Schulen (Fairview Primary, Perivale Primary und Parkwood Primary) eine Kombination von Gärten und Trimmparks zur Verbesserung der Gesundheitssituation sowie zur Stärkung des biologischen Wissens und des Selbstwertgefühls der Schülerinnen und Schüler anzulegen. Dazu wurden einerseits Spielplatz- und Trainigsgeräte gebaut, andererseits Obst, Gemüse, Kräuter und einheimische Pflanze angebaut.
Im Jahr 2008 wurde an der Fairview Primary School im Rahmen der Agenda21-Partnerschaft Aachen-Kapstadt und der Bauwagen-goes-South-Projektreihe von Stadtoasen ein Schulgarten in eine grüne Oase umgestaltet: Spiel- und Bewegungsflächen entstanden, ein Sinnesgarten wurde angelegt, Bewässerung klug geplant und für die ’soup kitchen’ der Schule wurden Gemüsebeete angelegt. Stadtoasen aus Aachen und SEED aus Kapstadt planten und arbeiteten gemeinsam mit Lehrern, Schülern und Hausmeistern mehrere Wochen erfolgreich an der Umsetzung. Der Garten der Fairview Primary School ist ein Vorbild für die nähere Umgebung geworden, der Sinnesgarten wird von einer benachbarten Blindenschule genutzt, und in der Schule hat sich nicht nur das Wissen um einheimische Pflanzen, sondern auch die Ernährungssituation verbessert. Wunsch der Schule und der Partner im Süden war es dann, das Projekt auszuweiten und in einem Schneeball-System auf andere Schulen der Gegend zu übertragen.
Nach einem Besuch des Schuldirektors der Fairview in Aachen 2009, der Weiterentwicklung des Projekts durch Stadtoasen und seinem neuen südafrikanischen Partner, dem Novalis Ubuntu Institute, und einer nervenaufreibenden Suche nach den notwendigen Projektgeldern ging es am 06.April 2010 für mich, Monika Galla, und meinen Projektpartner, Norbert Kuntz auf nach Kapstadt.
Von Anfang an wurden wir an allen drei Schulen offenherzig, interessiert und motiviert empfangen. Nachdem zunächst die konkreten Wünsche und Visionen der Schulen diskutiert wurden, konnte es fließend und problemlos mit der Arbeit „auf dem Feld“ losgehen. Die partizipierenden Kinder und Hausmeister waren unermüdlich “hands-on“ und auch die von uns engagierten Baufirmen hinterließen nach nur wenigen Wochen qualitativ hochwertige Spielplatz- und Trimmpark-Geräte. Insgesamt können sich die Ergebnisse sehen lassen:
An allen drei Schulen etablierten wir Mini-Fußball-Felder bzw. -Tore und ließen bis zu zwölf unterschiedliche Trimmpark-Elemente bauen. Zusätzlich entstand an der Perivale Primary aus dem Nichts ein ökologisch gestalteter Garten mit einheimischen Sträuchern und Kräutern sowie großen Gemüsebeeten. “The Green Fingers“, eine Arbeitsgruppe bestehend aus 15 Schülerinnen und Schülern der sechsten und siebten Klassen formierte sich, packte mit an und lernte, ihren eigenen Garten zu etablieren und Sorge für ihn zu tragen. Zur Abwechslung boten wir ihnen Ernährungs- und Koch-Workshops und machten gemeinsame Ausflüge in den botanischen Garten Kirstenbosch und zu den Schulgärten der Fairview und der Rocklands Primary in Mitchells Plain. So haben wir mit diesen Kindern ein besonders enges und freundschaftliches Verhältnis aufgebaut und man kann sagen, dass wir uns gegenseitig stark beeinflusst haben – eine wundervolle Erfahrung ganz im Sinne des von uns angestrebten kulturellen Austausches. Parallel legten wir einen kleineren Garten mit ausschließlich einheimischen Pflanzen, Sträuchern und Bäumen an der Parkwood Primary an. Ferner konnten an diesen beiden Schulen vor allem die Mädchen ihrer Kreativität freien Lauf lassen, indem sie ihren Schulhof mit knallbunten Hüpfkästchen verschönerten. An der Parkwood Grundschule ist außerdem ein farbenfrohes Wandbild zum Thema Sport entstanden, das hervorragend zum neuen Bereich mit den drei Mini-Fußball-Feldern passt. Koordiniert wurde dieser Workshop von der Künstlerin Uta Göbel-Groß aus Herzogenrath, die im Rahmen der Agenda21-Partnerschaft Aachen-Kapstadt zu diesem Zeitpunkt ebenfalls für ein Projekt in Kapstadt war, und dem lokalen Künstler Steven van Niekerk aus Manenberg.
2. Teil folgt
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