Geschichte der südafrikanischen Townships

TownshipFast alle südafrikanischen Städte “begrüßen” den Besucher mit einem Township am Stadtrand. In den meistens Ländern der Dritten Welt gehören Slums zum Alltag und entwickelten sich aus der Not heraus. In Südafrika hingegen entstanden die Townships aufgrund der Apartheidpolitik, die eine getrennte Lebensführung der verschiedenen Rassen vorsah.

Ausgangspunkt ist der Native Urban Areas Act (2) von 1923, der städtische Gebiete in Wohngebiete für Weiße und Nichtweiße vorsah.

Gesetzliche Grundlage für die Schaffung der Townships

Eigentum durfte von der nichtweißen Bevölkerung nur noch in den Townships erworben werden. Weiterhin wurde mit diesem Gesetz der Zuzug der ländlichen Bevölkerung in die Städte reguliert. Wer sich als Schwarzer ohne entsprechendes Dokument in einer südafrikanischen Stadt aufhielt, wurde sofort in seine Heimatregion abgeschoben. Prinzipiell erhielten nur so viele Nichtstädter eine Aufenthaltsgenehmigung für die Townships der Städte, wie vom Arbeitsmarkt nachgefragt wurden. Viele der weiblichen Schwarzen arbeiteten als Haushaltshilfe (Maid) in den weißen Familien und mussten jeden Tag mehrere Stunden von ihrer Wohnung in den Townships zu den Wohnlagen der Weißen pendeln. Alternativ wohnten sie 6 Tage in der Woche in der Wohnung ihres Arbeitsgebers (Sleep in). Die Familie konnten sie nur am Sonntag besuchen.

1948 wurden die Gesetze in Südafrika nochmals verschärft

1948 verschärfte sich die Situation mit dem Wahlsieg der Buren nochmals. Nichtweiße wurden jetzt systematisch von allen öffentlichen und wirtschaftlichen Ämtern ausgeschlossen. Die strikte Trennung der Rassen war jetzt das Grundprinzip der südafrikanischen Politik, der Apartheidpolitik. Die bisher schon vorhandenen Rassenschranken wurden jetzt exakt umgesetzt, weitere Gesetze kamen hinzu. Der Group Area Act legte für jede Rasse einzelne Wohngebiete vor, in dem diese Bevölkerungsgruppe ausschließlich leben durfte. Somit gab es in Kapstadt separate Townships für Farbige und Schwarze. Die weiße Bevölkerung lebte in den wohlhabenden Stadtgebieten am Atlantic Seaboard und in den südlichen Stadtteilen. Die in den vergangenen Jahrzehnten existierenden Mischgebiete, wo Bewohner verschiedener Rassen friedlich nebeneinander lebten, wurden rigoros geräumt. Am Rande von Kapstadt, in den Cape Flats, entstanden riesige Neubauviertel mit kleinen Standardhäusern, wo die Vertriebenen leben mussten.

Township Slum Armenviertel

Township

District Six – die Zerstörung eines kompletten Kapstädter Stadtteils

Der Tiefpunkt dieser menschenverachtenden Apartheidpolitik wurde in Kapstadt in den 1970er Jahren erreicht, als die Behörden den zentrumsnahen Stadtteil “District Six” mit ca. 60.000 Bewohnern räumten und dem Boden gleichmachten. Dieses Gebiet war als weißes Siedlungsland vorgesehen und sollte entsprechend bebaut werden. Da der internationale Druck in den 1980er Jahren immer größer wurde, wagte sich die Kapstädter Stadtverwaltung jedoch nicht mehr an die Neubebauung. Im Jahre 2012 liegt ein Großteil dieses Gebietes immer noch brach. Touristen fragen sich bei der Ankunft in Kapstadt, warum es in solch einer Lage keine Bebauung gibt. Seit Jahren versucht die Kapstädter Stadtverwaltung, die Flächen an die ehemaligen Eigentümer zurückzugeben und sie zur Neuansiedlung zu bewegen. Nach 40 Jahren in den Townships fällt es aber den Vertriebenen bzw. deren Nachkommen schwer, zurückzuziehen.

Flucht aus den Homelands in die Städte

In den 1980er Jahren nahm die Landflucht der Südafrikaner aus den sogenannten “Homelands” massiv zu. Millionen Wanderarbeiter zog es auf der Suche nach Arbeit in die Städte, obwohl sie dazu eine Erlaubnis benötigten. Die Staatsmacht verlor die Kontrolle über diese Massen und akzeptierte widerwillig den ungezügelten Zuzug. Die Zugezogenen errichteten riesige Siedlungen aus Wellblechhütten, jedoch ohne Vorhandensein jedweder Infrastruktur. Die Townships platzten aus allen Nähten mit der Folge, dass die sozialen Spannungen weiter anstiegen. Nach dem Ende der Apartheid 1994 setzte ein weiterer ungezügelter Ansturm ein. Millionen Bewohner aus den ländlichen Gebieten zogen in die Städte. Einzelne Townships beherbergen nun Hunderttausende Menschen. Die Regierung versucht seit 15 Jahren, die Bedingungen zu verbessern. Aufgrund Missmanagement, Korruption, fehlenden Geldern und weiteren Gründen konnten die Bedingungen bisher aber nicht wesentlich verbessert werde.

 

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Comments

  1. Gerd says:

    Eine gute Zusammenfassung. Ich war schonmal in einem Township in Kapstadt – echt trostlos. Hoffentlich verbessert sich dort mal was. Gerd

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