Es ist WM 2014 und keiner schaut zu

Gestern vor genau vier Jahren wurde die erste Fußball Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden eröffnet. Die WM 2010 in Südafrika startete mit einem großen Fest. Das ganze Land war auf den Beinen und begrüßte die Welt mit Tänzen, Gesang und dem Tröten der Vuvuzelas. Obwohl Bafana Bafana, wie die südafrikanische Nationalelf heißt, die Vorrunde nicht überstand, tat das der Stimmung keinen Abbruch. Die Einheimischen unterstützen fortan einfach ein anderes Team und feierten mit den Fußballfans aus aller Welt eine berauschende WM-Party.

Bafana Bafana Fans 2010

Bafana Bafana Fans 2010 vor dem Eröffnungsspiel Südafrika – Mexiko


Profitiert hat nur die FIFA

Südafrika war ein guter Gastgeber, der sich durch Fußballbegeisterung, Gastfreundschaft und eine gute Organisation auszeichnete. Doch inwieweit konnte das Land von der WM profitieren? Bereits letztes Jahr haben wir darüber berichtet, was von der WM 2010 geblieben ist. Das Fazit war eher ernüchternd. Gewonnen hat wieder einmal nur die FIFA. Für das von Armut und Arbeitslosigkeit gebeutelte Land haben sich dagegen kaum nachhaltige wirtschaftliche oder infrastrukturelle Vorteile ergeben. Zudem verursachen die Stadien als leerstehende „Weiße Elefanten“ weiterhin jährliche Kosten in Millionenhöhe. Immerhin hat die WM eines erreicht: das gespaltene Volk rückte für vier Wochen näher zusammen. Ob schwarz oder weiß, ob arm oder reich, Südafrika lag sich in den Armen, feierte sein Fußballteam und sich selbst. Viele verspürten gar zum ersten Mal seit dem Bestehen der jungen Republik so etwas wie Nationalstolz. Auch wenn es noch ein langer Weg ist, bis die Folgen der Apartheid überwunden sind, so war dies doch ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Kein Interesse für WM 2014

Doch wo ist diese Fußballbegeisterung jetzt hin? Heute ist Anstoß für die Fußball Weltmeisterschaft in Brasilien (siehe WM Spielplan 2014). In Südafrika bekommt man davon jedoch nicht viel von mit. Natürlich spielt da auch mit hinein, dass sich Bafana Bafana erst gar nicht für die WM 2014 qualifiziert hat. Dennoch verwundert es etwas, dass man am Kap so gar nichts von dem Turnier mitbekommt. Die WM ist hier höchstens eine Randnotiz, sowohl in den Medien als auch bei den Südafrikanern selbst. Will man die Spiele der anderen afrikanischen Länder (Nigeria, Elfenbeinküste, Kamerun, Ghana und Algerien sind dabei) oder der europäischen Teams verfolgen, muss man schon etwas suchen, um eine Bar zu finden, die das Spiel auch überträgt. Klar, die deutsche, niederländische und britische Community hält die Fahne hoch. Doch von den Südafrikanern ist keine große Fußballvorfreude für das Turnier zu vernehmen. Dies mag zum einen daran liegen, dass viele mehr spür- und sichtbare positive Veränderungen durch die WM im eigenen Land erwartet hätten, zum anderen daran, dass Fußball hier grundsätzlich keine große Bedeutung hat. Denn ob die Stimmung eine andere wäre, wenn die Südafrikaner sich qualifiziert hätten, darf man bezweifeln. Als letztes Jahr die Afrikameisterschaft in Südafrika ausgetragen wurde, hat man nur wenig von dem Turnier mitbekommen. Große Straßenfeste, Fahnenmeere, kollektive Begeisterung und Public Viewing-Veranstaltungen wie in Deutschland: Fehlanzeige! Südafrika ist einfach kein Fußballland. Fußball spielt, wenn überhaupt, nur in der schwarzen und farbigen Community eine Rolle. Die weiße Bevölkerung hat ihr Herz dagegen an Rugby oder Cricket verloren. Mit Fußball können die meisten nicht viel anfangen.

Und so wird den in Kapstadt lebenden Deutschen wohl nur übrig bleiben, sich während der WM an den typischen Hotspots zu treffen, um das Fußballfieber wieder aufleben zu lassen wie z.B. im Café Extrablatt, im Deutschen Verein, im Beerhouse oder im Rafiki’s. Weitere Public-Viewing Tipps hat das Kapstadt Magazin zusammengetragen.

Similar Posts:

Nutzer, die hier her fanden, suchten auch:

wer schaut keine wm | 

Pin It

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>