Eastern Cape: Grahamstown bis Graaff – Reinet

Valley of Desolation

Valley of Desolation

Der westliche Teil des Eastern Cape ist eine Region, die touristisch noch nicht so überlaufen ist wie andere südafrikanische Urlaubsregionen. Dies liegt aber nur an der Entfernung zu den bekannten Urlauberzentren wie Kapstadt oder Durban. In Bezug auf Infrastruktur und sehenswerten Zielen braucht sich diese Region überhaupt nicht zu verstecken. Da ich nur Gutes gelesen hatte, beschloss ich diese Ecke des Landes zu erkunden. Mein Startpunkt war Kapstadt. Von dort fuhr ich mit einem der komfortablen Fernreisebusse bis Plettenberg Bay.

Mit dem Mietwagen durch das Eastern Cape

Da die Entfernungen doch etwas groß sind und die meisten Orte von den Überlandbussen nicht angefahren wurden, buchte ich vor Ort einen Mietwagen für 1,5 Wochen. Als Reiseziele definierte ich Grahamstown, East London, Hogsback und Graaff-Reinet. Es würde eine anspruchsvolle Reise werden, über 1300 km in einem Gebiet, was ich überhaupt nicht kannte. Außerdem war es das erste Mal, dass ich per Auto das Land erkundete und dies alleine.

Karoo, Eastern Cape

Graaff Reinet

Der ehemalige Außenposten Grahamstown

Grahamstown war mein erstes Ziel. Die Stadt wurde von den Engländern als militärischer Außenposten gegen die Xhosas im Jahre 1811 gegründet. Die Stadt hat ein richtig britisches Aussehen, irgendwie verrückt für das tiefste Afrika. Man spürt hier noch den Frontiergeist. Im Jahre 1820 kam eine Gruppe britischer Siedler im damaligen Nirgendwo an, um hier ein neues Leben zu beginnen. Diese „1820 Settler“ besitzen in Südafrika den gleichen Mythos wie die „Mayflower“ Siedler in Amerika von 1650. Das 1820 Settler Museum zeugt von diesem Ereignis. Eines der Forts kann ebenfalls besichtigt werden. Grahamstown ist auch berühmt für sein jährliches Festival im Juli. Dieses Kunstfestival ist eines der größten Veranstaltungen in Südafrika. Im Laufe meiner Rundreisen habe ich schon in vielen Häusern gewohnt, aber die Übernachtung hier in Grahamstown war die verrückteste. Es handelte sich um das ehemalige Gefängnis, wo einige der Zellen an Touristen vermietet wurden. Die Tür war etwa 1,50 m hoch, Fenster gab es keine und die Raumfläche entsprach etwa der doppelten Bettgröße. Aber es schlief sich herrlich.

Grahamstown

Grahamstown

Die Hafenstadt East London

East London sollte mein nächstes Etappenziel werden. Ich überlegte mir noch, ob ich noch den Great Fish River einen Besuch abstatten sollte, ich lies es dann aber. Jedenfalls führte mich der Weg jetzt durch die sehr ländliche Region der Ciskei, einem ehemaligen Homeland. Selbst 15 Jahren nach Ende der Apartheid trifft man hier immer noch auf extreme Armut. Zwischen den ärmlichen Behausungen der Einheimischen fanden sich immer wieder idyllische kleine Badeorte. Eins diese sehenswerten Orte ist Port Alfred. Der Ort besitzt eine richtig schöne Marina und eine richtige Pier. Als ich dort ankam, befanden sich mindestens 20 Angler auf dieser Pier, welche einige wirkliche große Fische gefangen hatten. Brenton-on-Sea hatte traumhafte Strände, wo ich keinen einzigen Menschen getroffen habe. Ich spazierte etwa 1Stunde an diesem endlosen Strand entlang, einfach traumhaft.

Enttäuschung vor Ort in East London

Strand im Eastern Cape

Strand im Eastern Cape

Jedenfalls erreichte ich nach einem reichlich halben Tag die Stadt East London am Buffalo River. Die Stadt selbst war eine totale Enttäuschung. Eine schachbrettartige Innenstadt, verrammelte Läden, nicht ein einziges sehenswertes Ziel. Während der dunklen Tage der Apartheid war East London die isolierteste „white city“ des Landes, umgeben von der Ciskei und der Transkei.

Ein empfehlenswertes Buch über die Apartheidzeit

Das erste Buch, welches ich in englischer Sprache gelesen habe, war „Cry Freedom“ über den Herausgeber der lokalen East London Zeitung. Es handelte vom Kampf eines weissen Südafrikaners gegen die Apartheid und über Steve Biko, dem Gründer der Black Consciousness.

Die Story ist eine der dramatischsten und emotionalsten Geschichten, welche ich jemals gelesen habe. Ich kann das Buch nur empfehlen. Da es für mich keinen Grund gab, länger in East London zu bleiben, fuhr ich einige Kilometer in die Transkei hinein. Ich hatte in einem der Backpackerreiseführer von einer schönen Lodge an der Mündung eines Flusses ins Meer gelesen.

Ein genialer Backpacker in der Transkei – Buccaners

Cintsa West

Cintsa West

In Cintsa West gibt es Buccaners, angeblich eines der populärsten südafrikanischen Hostel. Bei meiner Ankunft war der Backpacker fast komplett ausgebucht, ich bekam gerade noch ein Bett im Mehrbettzimmer. Nach einem kurzen Rundgang musste ich eingestehen, dass der Titel nicht zu Unrecht vergeben wurde. Die Lage ist einmalig: kilometerlange Strände, glasklares warmes Wasser, ein gut geführtes Hostel mit Bar, Swimming Pool und anderen Einrichtungen. Außerdem entspricht die hügelige Landschaft mit den Lehmhütten der Xhosas dem Klischeebild von Afrika. Nur aufgrund meines engen Terminplanes übernachtete ich nur zweimal hier. Das erste Ziel lockte, eins der wenigen noch verbliebenen Wälder in den Amatolabergen.

Südafrika Reiseangebot

Fort Hare und der Student Nelson Mandela

Auf dem Weg zu meinem nächsten Ziel (irgendwie hatte ich mich etwas verfranzt) passierte ich Fort Hare. Dieser Ort ist einer der wichtigsten Orte in der südafrikanische Geschichte, aber komplett unbekannt. Im Jahre 1916 wurde hier eine Schule von Missionaren gegründet, welche während der Apartheidzeit eine der ganz wenigen für Schwarze zugänglichen Hochschulen betrieben. Der bekannteste Student in Fort Hare war Nelson Mandela, aber auch die Präsidenten von Zimbabwe und Tansania erhielten hier ihre Ausbildung. Vor der Schule warteten einige Studenten auf eine Mitfahrmöglichkeit. Nach einem kurzen Zögern nahm ich 3 Leute mit. Unterwegs erzählten sie mir stolz von der Geschichte dieser Schule.

Viel Wald um Hogsback

Hogsback ist wieder so ein Teil England, welches nach Afrika verpflanzt wurde. Hier handelt es sich zwar nur um ein Dorf, aber das Englandtypische ist die Landschaft. Dunkle Wälder, viel Regen und Nebelfelder am Morgen, dies kennzeichnet die Region. Um Hogsback herum finden sich noch richtig tiefe Wälder, welche sich für Wanderungen perfekt eignen. Urlauber besuchen Hogsback,

Amatola Mountains Hogsback

um stundenlange Wanderungen durch undurchdringliche Wälder zu Wasserfällen zu absolvieren, um sich dann am Kamin der Lodge zu wärmen und einen Tee zu trinken. Ich habe die Zeit hier echt genossen, ein Afrika, was man nicht erwartet.

Cradock mit dem Gedenken an die Anti – Apartheidkämpfer

Danach fuhr ich wieder durch die dünn besiedelte Ciskei. Queenstown ist nicht erwähnenswert, in Cradock stoppte ich jedoch an einem kleinen Museum, dem Schreiner House. Hier lebte die Schriftstellerin Olive Schreiner, deren Roman „Die Story of an African Farm“ einigen Lesern bekannt sein sollte. Aber auch hier gab es Denkmäler für die ANC- Kämpfer, welche getötet wurden. Die „Cradock Four“ verschwanden 1985 spurlos. Im Rahmen der „Wahrheitskommission“ kam die ganze Geschichte 1997 ans Tageslicht.

Die 4 Freiheitskämpfer wurden gefoltert, getötet und dann verscharrt. Während der Untersuchungen 1997 gestanden die Polizisten ihre Taten. Alle wurden danach entlassen, da das Ziel dieser Kommission gemäß den Vorgaben Nelson Mandelas die Aufarbeitung der Vergangenheit und nicht die Bestrafung der Täter war. In dieser ärmlichen Region lernte ich mehr über den ANC, die Apartheid und die Folgen für das heutige Südafrika als in mehreren Monaten Kapstadtaufenthalt.

Das Schmuckstück der Karoo – Graaff-Reinet

Valley of Desolation

Valley of Desolation

Letzter Ort auf meiner Rundreise sollte das Burenstädten Graaff-Reinet werden. Das „Schmuckstück der Karoo“ wurde im Jahre 1786 gegründet und ist eine der ältesten Städte Südafrikas. Die Stadt ist der einzige Ort im Lande, der komplett von einem Naturreservat umgeben ist. Das Karoo Nature Reserve mit dem bekannten Valley of Desolation umschließt Graaff-Reinet vollständig. Schönstes Haus am Platze ist das Reinet House von 1807, welches am Ende der Parsonage Street liegt. Es gilt als klassisches Beispiel für den kapholländischen Baustil der damaligen Zeit. Die mächtige holländisch – reformierte Kirche im Zentrum wurde der Kathedrale von Salisbury nachempfunden. Graaff – Reinet kann selbst während der Nacht zu Fuß betreten werden. Der Ort zählt zu den sichersten Plätzen in ganz Südafrika.

Valley of Desolation

Neben der Architektur lockt die meisten Touristen das bereits erwähnte Valley of Desolation. Hierbei handelt es sich um eine Gesteinsformation mit Zinnen und Kuppeln aus Dolerit. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die Karoo, aber auch auf die Stadt.

Das Gebiet hier ist auch bekannt als Teststrecke für Autoprototypen. Hier finden Tests unter klimatisch anspruchsvollen Bedingungen statt. Bei meinen Besuch hier sah ich Testwagen von diversen deutschen Nobelmarken.

Robert Sobukwe vom PAC wurde in Graaff – Reinet geboren

Ein weiteres Stück Apartheid – Geschichte gehört auch zu Graaff – Reinet. Hier wurde der Führer des Panafrikanischen Kongresses (PAC), Robert Sobukwe, geboren.

50 km östlich der Stadt liegt ein weiterer Nationalpark mit Karoo – typischen Tieren, Pflanzen und Landschaftsformen. Im 70 km² großen Mountain Zebra National Parkhat man sich dem Schutz der verbliebenen Kap – Zebras verschrieben.

Mit dem Mietauto über den Price Alfred Pass

Prince Alfred Pass

Prince Alfred Pass

Die N9 brachte mich dann südwärts Richtung Meer und Plettenberg Bay. Doch in meinen Reisführer hatte ich noch etwas entdecken, was ich unbedingt sehen wollte. Nördlich von Knysna startet der Price Alfred Pass, der über mehr als 50 km Schottstraße immer Richtung Norden durch eine fantastische Bergwelt führt. Im Ort Avontuur verließ ich die N9, um diesen Pass südwärts zu befahren. Es war ein Erlebnis, welches ich nie vergessen werde. Ich hatte im Western Cape schon diverse Passstraßen befahren, doch dieser hier war der Authentischste. Kein Asphalt, ständig sich ändernde Panoramaaussichten, ein Auf und Ab. Zum Glück hatte ich einen Mietwagen, mein eigenes Auto hätte mit Leid getan. Nach 3 Stunden Fahrt erreichte ich dann den Badeort Plettenberg Bay an der Garden Route.

Diesen Teil Südafrikas, das Eastern Cape, kann ich Jedem nur empfehlen. Es bietet sich insbesondere für Südafrikaliebhaber an, welche schon einige Male im Land gewesen sind, dort die Garden Route oder den Krügerparkschon gesehen haben und nun etwas Neues entdecken wollen.

Similar Posts:

Diesen Beitrag weitersagen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.