Arm und chancenlos in Kapstadt

Kapstadt

Kapstadt

Fährt man von Kapstadts Stadtzentrum Richtung Sea Point auf der Strand Street, sieht man auf der linken Seite die ersten Häuser des Malaienviertel Bo-Kaap. Sofort fällt einem die Vielzahl an herumlungernden Farbigen herum, was in dieser Ecke von Kapstadt ungewöhnlich ist. Ein Einheimischer erzählte mir mal, dass dies ein Arbeiterstrich ist, wo man bei Bedarf eine billige Arbeitskraft für einige Stunden anheuern kann. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, dass es ja bei uns in Deutschland auch gibt. Kleine Unternehmer oder Privatleute holen sich eine billige Kraft, wenn sie einfache Arbeiten im Garten oder Haus zu verrichten haben. Bezahlt wird ihnen oftmals ein Betrag, der gerade so zum Überleben reicht.

Einheimische und Flüchtlinge auf der Suche nach Arbeit

Die Arbeitslosenquote in Südafrika ist erschreckend hoch. Je nach Statistik kommt man auf offizielle Werte von etwa 25 bis 30 Prozent. Nach diversen Schätzungen von Fachleuten ist der realistische Wert eher bei 50 Prozent. Jeder 2. Südafrikaner ist somit arbeitslos oder nur minimal beschäftigt, dass er eigentlich unter diesen Begriff fallen kann. Im Gegensatz zu Südeuropa ist diese Arbeitslosigkeit jedoch seit Jahren da und nicht aufgrund der Finanzkrise aufgekommen. Verschärft wird dieses Problem durch die Millionen von Flüchtlingen, die aus Ländern wie Zimbabwe, Mosambik und Malawi nach Südafrika strömen. In diesen Ländern geht es den Leuten noch bescheidener als am Kap und so strömen sie großteils illegal ins Land. Im Norden Südafrikas insbesondere in Johannesburg sind die diese Leute noch viel häufigen anzutreffen als im entfernten Kapstadt. Jedenfalls konkurrieren sie mit den Einheimischen um die wenigen vorhandenen Verdienstmöglichkeiten. Von Arbeitgeberseite wird dies natürlich gnadenlos ausgenutzt.

Folgen dieser katastrophalen Erwerbslage

Alle paar Jahre kommt es dann zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, wo Südafrikaner diese Konkurrenten um Arbeitsplätze angreifen. Beim letzten größeren Vorfall 2008 wurden ungefähr Hundert Ausländer getötet und ihre Behausungen in den Townships zerstört bzw. niedergebrannt. Die Perspektiven für alle Arbeitssuchenden sind gleich schlecht: geringe Ausbildung, hohe Konkurrenz, fehlende Unternehmen. Verbleiben als Gelderwerb Diebstähle und Raub, was als extrem hohe Kriminalität dann weltweit in den Nachrichten ist. Wohlhabende Südafrikaner verbarrikadieren sich dementsprechend in ihren Häusern. Aufgrund der Perspektivlosigkeit sind Alkohol und Drogenmißbrauch (Tik) allgegenwärtig. Der Boom der christlichen afrikanischen Religionen ist auch auf diesen Zustand zurück zuführen. Die Leute suchen etwas Abwechslung von ihrem trostlosen Alltag, den ihnen die Kirchen mit ihren Gottesdiensten geben.

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Meine persönlichen Erfahrungen mit Flüchtlingen in Kapstadt

In den letzten Jahren habe ich diverse Personen kennen gelernt, die aus ihren Heimatländern nach Südafrika gekommen sind. Die größte Gruppe der Flüchtlinge kommt aus Simbabwe, bis vor einigen Jahren eines der wohlhabenderen Länder Afrikas, bis Mister Mugabe es endgültig herunterwirtschaftete. Eines der wenigen Positivpunkte zu diesem Mann ist der Fakt, dass er seiner Bevölkerung immer eine gute Ausbildung ermöglichte. Ein Großteil der Zimbabwer hat eine im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern extrem gute Ausbildung bekommen.

Der Typ, den ich kennen gelernt habe, besaß ein Wirtschaftsdiplom der besten Universität des Landes. Aufgrund von Perspektivlosigkeit zu Hause kam er nach Kapstadt, um dann dort nur in einen Restaurant als Kellner zu arbeiten. Er hatte ein reguläres Visum, aufgrund fehlender Arbeitserfahrung bekam er jedoch hier keine Chance auf eine adäquate Arbeitstelle. Ein richtig kluger Mann, aber der Start ins südafrikanische Berufsleben klappte nicht. Jetzt studiert er wieder, obwohl er eigentlich schon überqualifiziert ist. Und das in einem Land, wo es an jeder Ecke einen Mangel an qualifizierten Leuten gibt. Wer länger hier unten ist, weis das.

Ein anderer Bekannter aus Malawi besaß viel schlechtere Voraussetzungen: ein Highschoolabschluß und ein halbseidenes Visum. Mit diesen Einschränkungen tut man sich noch viel schwerer. Er schlug sich als Selbständiger mit ständig neuen Geschäftsideen mehr schlecht als schlecht durch. Eines Tages erfuhr ich dann, dass er in eine Kontrolle geraten ist und am gleichen Tag nach Malawi abgeschoben wurde.

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